LESUNG Martin Suter „Die Zeit, die Zeit“ : Immer weniger Zukunft

Alexander Leopold
Foto: ddp

Dieser Schriftsteller ist ein Phänomen – oder einfach ein literarischer Markenartikel. Egal, was er schreibt, die Bücher landen fast automatisch ganz vorn auf den Bestsellerlisten, ob das nun ein handelsüblicher Roman ist, ein Krimi aus der „Allmen“-Reihe, mit dem Lebemann, Kunstsammler und Hochstapler Johann Friedrich von Allmen als Helden, oder ein Band mit Geschichten aus der Business-Class. Mit Letzterem steht Suter aktuell auf Platz 14 der „Spiegel“-Bestsellerliste, „Abschalten“ heißt das Buch; auch mit seinem jüngsten Roman „Die Zeit, die Zeit“ pendelt er zwischen Platz 4 und Platz 7.

Natürlich sind solche Erfolge keine Garantie für Qualität. Doch wie mit vielen seiner Bücher versteht es Suter auch mit „Die Zeit, die Zeit“, einigermaßen anspruchsvoll zu unterhalten. Ein alter Mann will seine vor 20 Jahren gestorbene Ehefrau ins Leben zurückholen. Er hat da so seine, von berühmten Wissenschaftlern beglaubigte Theorie. Sein Nachbar, der Erzähler des Romans, Peter Taler, dessen Ehefrau vor einem Jahr erschossen wurde, soll ihm dabei helfen. Ein Zeitreiseroman, der eine Liebesgeschichte und auch ein Thriller ist – was will man mehr? Vielleicht mehr Zeit, um mit dem Lesen von Suter-Büchern nachzukommen: „Die Zeit, die Zeit“ ist das fünfte innerhalb von zwei Jahren. Doch ist das nicht so einfach, wie Suter weiß: „Wenn man älter wird, wird man sich der Zeit immer bewusster. Weil sie einem langsam ausgeht. Und weil man immer mehr Vergangenheit und immer weniger Zukunft hat.“ Aber, da geht es dem Schweizer Schriftsteller wie vielen anderen, „trotzdem schaffe ich es nicht, bewusster mit der Zeit umzugehen“. Alexander Leopold

Babylon Mitte, Fr 28.9, 20 Uhr, ab 17 €

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