LESUNG Oliver Maria Schmitt stellt seinen „Besten Roman aller Zeiten“ vor : Rummsdibumms

Gerrit Bartels
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Dieser Autor will lustig sein, auf Teufel komm heraus. Oliver Maria Schmitt heißt er, war mal Chefredakteur der „Titanic“ und macht keinen Hehl aus seinen Ambitionen und keine falschen Versprechungen. Das beginnt allein mit Titel und Cover seines neuen Romans, der „Der beste Roman aller Zeiten“ heißt, in einen bonbonrosagelbfarbenen Umschlag gefasst und mit Werbeslogans wie „Komisch. Kraftvoll. Verstörend“ (Norddeutsche Allgemeine Zeitung) versehen ist.

Knall, bumm, rumms! Und „rumms“ macht es dann gleich zu Romanbeginn, als dem Ich-Erzähler Mick Rademann im Frankfurter Bahnhofsviertel aus heiterem Himmel ein riesiger Kerl vor die Füße fällt: Jo Hollenbach, seines Zeichens Fan von den Hives, der besten Band der Welt, seines Zeichens vor allem aber Schriftsteller, Autor des „BRAZ“, des besten Romans aller Zeiten. Und als der „mit zweihunderttausend verkauften Exemplaren pro Woche explodiert ist, bin ich in jede beschissene Talkshow gelatscht“.

Doch wie gewonnen, so zerronnen: Hollenbach wird von der albanischen Mafia verfolgt, weshalb Rademann und Hollenbach schon bald in einem Bunker in den albanischen Bergen sitzen, entführt von besagter albanischer Mafia. So plottet Schmitt irr und durchgedreht vor sich hin, und genauso irr und durchgedreht sind seine Witzchen und Dialoge. Da geht natürlich manches daneben, da entfährt einem bei der Lektüre bisweilen auch ein schönes Gähnen – wer aber auf ein einziges Pointengeknatter gefasst ist, hat mit diesem „Besten Roman aller Zeiten“ seinen Spaß. Und Zweitbester will ja auch niemand gern sein. Gerrit Bartels

Backfabrik, Literatur-Station,

Fr 6.3., 20 Uhr, 5 €

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