LESUNG Ulrich Matthes liest Erich Kuby : Nestbeschmutzer von Rang

Laura Backes

Erich Kuby – als linkes Gewissen der Nation bezeichnete man ihn, ohne ihn zum Ideologen zu verdammen. Seine Erfahrungen bei der Wehrmacht ließen ihn zum strikten Demokraten und Anti-Militaristen werden. Als Journalist war Kuby beteiligt an der Gründung der Zeitschrift „Der Ruf“, aus dem die Gruppe 47 hervorgehen sollte, schrieb für die „Süddeutsche Zeitung“ und ereiferte sich zu einem der härtesten Kritiker von „Stern“ und „Spiegel“, nachdem er sie jeweils verlassen hatte. Bis kurz vor seinem Tod schrieb er eine wöchentlich Kolumne für den „Freitag“.

Einen „Nestbeschmutzer von Rang“ hat Heinrich Böll ihn einmal genannt. Denn Kuby gab sich nicht damit zufrieden, dass es Deutschland wieder gut ging. 1958 prangerte er in dem Film „Das Mädchen Rosemarie“ die sich im Zuge des Wirtschaftswunders etablierende Klassengesellschaft an. Seine mehr als 40 Bücher lesen sich wie die bittere Chronik eines Nachkriegsdeutschlandes, das heute kaum noch einer kennt, weil die Zahl der Zeitzeugen schwindet. Seine Prognosen haben sich zu einem großen Teil in den letzten Jahrzehnten bewahrheitet, sie lassen den Leser über den weit zurückliegenden Entstehungszeitpunkt staunen. Doch nicht nur der Inhalt macht Kubys Nachlass so lesenswert, auch sein Stil verzaubert. „Eine so leichte Feder, sichere, ausdrucksstarke, differenzierte Sprachführung haben in der Regel nur Autoren, die nicht viel zu sagen haben,“ schwärmt der Schriftsteller Peter O. Chotjewitz. Gestorben ist Erich Kuby vor fünf Jahren, am 28. Juni wäre er 100 geworden. Zu diesem Anlass liest Ulrich Matthes am Sonntag im Deutschen Theater aus verschiedenen Texten Kubys. Laura Backes

Deutsches Theater, So 27.6., 18 Uhr, 8€

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