LESUNG UND GESPRÄCHDurs Grünbein präsentiert Römisches : Süße Schwärze des Averna

Noemi Hahnemann
Foto: Juergen Bauer

Für allzu vergagte Wortspiele ist er gewöhnlich nicht zu haben. Aber wenn ihm Italien die Seele erleuchtet, dann scheut sich auch Durs Grünbein nicht, über den Titel seines jüngsten Buches „Aroma“ (Suhrkamp) zu scherzen. Der Untertitel macht allen Begriffsstutzigen klar, worum es geht, nämlich um „ein römisches Skizzenbuch“. Und wie sollte sich ein Dichter, der aus der italienischsten Stadt Deutschlands, nämlich aus Dresden, stammt, nicht von Rom verführen lassen?

Neben dem in 53 Gedichte unterteilten Titelzyklus und einer Übersetzung von Juvenals „Dritter Satire“ enthält es auch eine Reihe von Prosatexten, die alle im Lauf des Jahres entstanden sind, das Grünbein dort als Gast der Villa Massimo verbracht hat. Auf Grünbeins und der Alten Spuren kann man nun durch die heilige Stadt wandeln und gelangt dabei auch an profane Orte: „Hinterm Vatikan, im Schatten hoher Staatsgefängnismauern, / Gibt es Ecken, wo die Stadt wie abgeschnitten wirkt, novemberkalt. / Letzte Zuflucht ist dann eine Bar, die süße Schwärze des Averna. / Dies Gesöff allein noch spendet Trost. Man blickt sich um und sucht / Durch den Höllenlärm ein dunkles Augenpaar zum Weiterträumen. / Triste Typen stehn da um die Theke, schwadronieren über alles / Unerreichbar Ferne: Gott, die Liebe. Meine Frau, der Satansbraten! / Auf dem Tisch die Zeitung spuckt das Foto der regierenden Kanaille, / So wie jeden Tag den Wählern ins Gesicht. Die schert das nicht.“ Im Literaturforum verrät Grünbein nun im Gespräch mit Michael Opitz, was ihm sonst noch alles widerfahren ist - und wie es in seine Texte Eingang gefunden hat.Noemi Hahnemann

Literaturforum im Brecht-

Haus, Di 7.6., 20 Uhr, 5/3€

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