LESUNG UND GESPRÄCHYang Lian : Denken, konzentrisch

Ricarda Wilhelm

Zuletzt lebte er in London. Nun hat sich der chinesische Dichter Yang Lian nach seinem Jahr am Wissenschaftskolleg in Berlin niedergelassen. Als Sohn eines Diplomaten 1955 in Bern zur Welt gekommen, wuchs er auf in Peking, wurde während der Kulturrevolution aufs Land verschickt und nach dem Massaker auf dem Tiananmen-Platz ins Exil. Sein erst 2013 auf Deutsch erschienener Gedichtband „Konzentrische Kreise” (Hanser) aus den Neunzigern gilt als sein poetisches Hauptwerk. Das stark philosophisch geprägte Großgedicht bringt die östliche und westliche Erfahrung des Autors zusammen. Der Sinologe Wolfgang Kubin, einer der wichtigsten Vermittler chinesischer Literatur in Deutschland, hat dem nur bedingt übersetzbaren Poem eine deutsche Stimme gegeben und stellt es mit dem Autor im Literarischen Colloquium vor.

Fünf Tage später unterhält sich Yang Lian in der Literaturwerkstatt mit einem der renommiertesten Übersetzer klassischer chinesischer Texte aus Dichtung und Philosophie ins Englische: David Hinton ist gerade Samuel-Fischer-Gastprofessor an der Freien Universität Berlin. Er ist zudem ein Dichter, der sich von der klassischen Form gelöst hat. Seine Texte sind grafische Ereignisse, sie finden ihren Platz auf großen Blättern. In seinem Werk knüpft Hinton an die Tradition der klassischen Poesie des achten Jahrhunderts an: Dichtung ist für ihn ein Denken in Präzision und das Ringen um das treffende Wort. Das Gespräch zwischen den beiden Dichtern wird moderiert von Hans Jürgen Balmes, dem Programmleiter für Internationale Literatur beim S. Fischer Verlag. Ricarda Wilhelm

Literarisches Colloquium Berlin, Do 30.1., 20 Uhr, 6 €, erm. 4 €, Literaturwerkstatt, Di 4.2., 20 Uhr, 5 €, erm. 3 €

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben