LESUNGAlexander Schimmelbusch : Lebe lieber ungewöhnlich

Thomas-Bernhard-Fans wussten es schon immer, seit dem Tod des österreichischen Schriftstellers am 12. Februar 1989, dass er eigentlich gar nicht tot sein kann – einfach weil er in seinen Büchern weiterlebt, weil diese überhaupt nicht zeitgebunden und wunderbar frisch und kaputt sind. So schön Bernhard übrigens selbst das Leben fand, so schön und eigentlich am schönsten fand er den Gedanken, „dass es endgültig endet“. Wie aber wäre es, wenn Bernhard tatsächlich noch leben würde? Wenn er seinen Tod inszeniert und eine neue Identität angenommen hätte, als Franz-Josef Murau etwa? Dann würde er Sachen sagen, wie dass er immer gelogen und „den Eindruck erweckt“ habe, dass ihn der Tod nicht schrecken könne, solange sein Nachruhm gesichert sei, das steinerne Denkmal errichtet, so habe er sich aufgeplustert damals.

Sagen tut Bernhard das in Alexander Schimmelbuschs Roman „Die Murau Identität“. Darin bekommt ein „zwielichtiger Kulturjournalist“ eines Tages ein paar Reiseberichte von Bernhards Verleger, aus denen hervorgeht, dass Bernhard 1989 nicht gestorben ist. Schimmelbuschs Held, der auch Schimmelbusch heißt, findet bei einer Odyssee über New York, Barcelona und Mallorca heraus, dass Bernhard auch 2014 noch lebt. Und wie das in so einem Buch ist: Die Bernhard- Sprache wird kopiert und parodiert, seine Monologe, sein Furor, und auch sonst mangelt es Bernhard-Fans vom Ohrensessel über Handke-Witze bis zu den gelungenen Unseld-Reiseberichten an nichts. Außer vielleicht an Ernsthaftigkeit – aber da versteht Schimmelbusch wirklich keinen Spaß!Gerrit Bartels

Österreichisches Kulturforum, Mi 12.2., 19.30 Uhr, Eintritt frei

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