LESUNGAstrid Rosenfeld – „Elsa ungeheuer“ : Von Biestern und Menschen

Anne Cramer

Was ist der Mensch: ein Wolf oder ein Hund? Die wahre Natur einer Person zu ergründen, ist ein Unterfangen, das allzu oft scheitert. Wie enttäuscht sind wir, wenn vermeintlich freundliche Zeitgenossen ihre Reißzähne entblößen und sich als bissige Fälschung erweisen!

„Macht man das nicht ständig? Außer Acht lassen, dass die Menschen, die in unser Leben treten, bereits ihre Geschichten, Wunden und Geheimnisse besitzen?“, fragt Astrid Rosenfeld in ihrem jüngst erschienenen Roman „Elsa ungeheuer“ – und zeigt, dass es auch anders geht. Liebevoll entwirft die gebürtige Kölnerin ihre Figuren, die so interessant, exzentrisch und komplex sind, dass man sie einrahmen oder an einen Zirkus verkaufen möchte. Eine Absicht, die übrigens auch die halbwüchsigen Protagonisten Karl und Lorenz Brauer mit der überfrommen Haushälterin der Familie verfolgen. Rosenfelds Blick für Menschen ist einzigartig, ihr Humor bestechend. In ihrem zweiten Roman schildert die ehemalige Castingagentin, welche Erfahrungen Karl, Lorenz und Elsa, das untröstliche, faszinierende Ungeheuer, mit menschlichen Raubtieren machen. Ob in der dörflichen Halbidylle der Oberpfalz, den Abgründen der Den Haager Kunstszene oder auf der texanischen Rinderranch: Die Handlung ist nie absehbar, das Schicksal nicht fair, das Ende nicht happy und Enttäuschung unmöglich.

Und wie kann man nun Wölfe von Hunden unterscheiden? „Keine Zauberei. Nur die Augen aufmachen“, so Rosenfelds Antwort. Mit ihrem Roman lädt sie dazu ein, die Kompliziertheit des Menschen schätzen zu lernen. Anne Cramer

Buchhändlerkeller, Do 2.5, 20.30 Uhr, 5 €, erm. 3 €

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