LESUNGDavid Wagner „Leben“ : Auf dem Abenteuerspielplatz

Als der Schriftsteller David Wagner das erste Mal den Bar-25-Nachfolger KaterHolzig besuchte, war er begeistert. „Der Kater ist ein großer Abenteuerspielplatz“, schrieb er 2011 in der „taz“, „an dem wir wieder richtig Berlin spielen können.“ Berlin spielt Wagner bekanntlich wirklich gern; in seinen Büchern „Welche Farbe hat Berlin“ und „Mauer Park“ (erscheint im September beim Verbrecher Verlag) kann man sich davon ein schönes Bild machen.

Kritik brachte er in seinem Text aber auch unter. Dass die KaterHolzig-Betreiber ihren Laden als „Kulturtagesstätte“ bezeichneten, fand er seltsam: „Was bitte soll eine ,Kulturtagesstätte’ sein?“, fragte Wagner spitz. „Eine Kita für Kulturinteressierte? Werden hier nachts keine Veranstaltungen mehr stattfinden? Und wo sind die Kulturerzieher? Manchmal läuft einer von ihnen mit einem Megafon durch die Holzlandschaft und ruft den nächsten Auftritt aus.“ Man fragt sich natürlich, ob das auch so war, als Wagner im KaterHolzig ein Jahr später im sogenannten Katersalon aus „Welche Farbe hat Berlin“ las. Und: Sind Kulturerzieher und Auftrittsausrufer jetzt wieder dabei, wenn er aus seinem Erfolgs- und Lebertransplantationsbuch „Leben“ liest? Fragen über Fragen. Mit denen auch der Katersalon nicht geizen will. Wagners Lesung wird auf der Website so angekündigt: „Was bedeutet es zu leben? Biologisch am Leben zu sein? Sich lebendig zu fühlen? Lebendig zu erscheinen? Bemerkt und erinnert zu werden? Virtuelle Präsenz zu zeigen?“ Kann Wagner das wirklich beantworten? Sind dafür nicht diejenigen geeigneter, die am frühen oder späten Morgen nach getaner Club- und Dance-Arbeit aus dem Holzig torkeln? Gerrit Bartels

KaterHolzig, Di 30.7., 20 Uhr, 7 €

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