LESUNGElisabeth Rank „Bist Du noch wach?“ : Das Leben riecht so fremd

Rea, die Icherzählerin von Elisabeth Ranks zweitem Roman „Bist Du noch wach?“, hat es nicht leicht. Mit ihrem Lover Albert ist es vorbei, ihr allerbester Freund und Mitbewohner Konrad hat eine Neue, ihr Vater liegt mit Herzproblemen auf der Intensivstation. Und eine Reise nach Südfrankreich bringt es auch nicht so, da findet sie sich irgendwann komplett zersaust im Gestrüpp hinter einer Mauer wieder. Also konstatiert sie nach ihrer Rückkehr: „So hatte ich mir das nicht vorgestellt. Das mit dem Alter und dem Lauf der Dinge. Ende zwanzig zu sein und auf einem Bett zu sitzen, als sei es ein Boot, und der Rest wirft sich herum wie ein Meer, mich selbst in karierter Bettwäsche von Ikea und mit zersausten Haaren an einem Mittwoch. Ich habe irgendwann gedacht, diese Ratlosigkeit gäbe es nicht mehr (...)“. Und falls doch, fährt Rea fort, „wenigstens mit Stil“.

Ja, es läuft nicht gut für die arme Rea. Aber immer noch besser als für Tonia, die Icherzählerin aus Elisabeth Ranks Debüt „Und im Zweifel für dich selbst“, die gleich mit dem Tod eines Freundes konfrontiert wurde. Unter dem Label „Generation Angst“ firmierten Ranks Protagonisten seinerzeit. Nun regiert eine alterstypische Rat- und Orientierungslosigkeit: „Das Leben riecht so fremd, auch wenn es mir gehört.“ Ob das jetzt ein Fortschritt ist? Auch bei Ranks Literatur darf man sich diese Frage stellen. Zumindest die Generation der 1984 in Berlin geborenen Autorin könnte sich in diesem Roman wiederfinden. Ist man jedoch schon eine Dekade älter, braucht es viel Durchhaltevermögen, um Reas Introspektionen zu folgen. „Ach, Rea“, will man da unentwegt ganz Papi-mäßig rufen: „Das wird schon!“ Gerrit Bartels

Caffé Tasso, Do 18.7., 20 Uhr, Eintritt frei

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!