LESUNGEN UND DISKUSSIONENFamilienromane der Gegenwart : Blut ist dicker als Wasser

Gerrit Bartels

Er gehört zu den beliebtesten Genres in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur: der Familienroman. Nichts liegt näher, als über die Familie zu schreiben. Sie ist der Humus, auf dem die eigene Biografie gediehen ist, und so es nicht gute Gründe gibt, die Familie komplett zu ignorieren, so sich nur ansatzweise was Außergewöhnliches, historisch Wertvolles dort finden lässt, wird losgeschrieben. Das hat seine Tücken: Man muss nicht zuletzt erzählen können, und viele Autoren vertrauen zu sehr darauf, dass der Drall in die Zeit des Nationalsozialismus den Zeiger auf der Interessantheitsskala ausschlagen lässt. Es bedarf aber noch zusätzlicher Kicks für einen guten Roman.

In Eva Menasses „Vienna“ sind es die Anekdoten und Geschichtchen, die aus den vielen Figuren in ihrem Roman erst richtige Charaktere machen. Bei Julia Francks mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichneten Roman „Die Mittagsfrau“ ist es der Ausgangspunkt der Geschichte (junge Mutter lässt Sohn allein am Bahnhof zurück), der sie und den Leser befeuert. John von Düffel wiederum macht mit „Beste Jahre“ eine Ausnahme von der Familienromanregel, Historisch-Biografisches zu verbinden, und erzählt eine Familiengeschichte von heute: Nicht mehr ganz junges Paar bekommt Nachwuchs – mit Hilfe der modernen Reproduktionsmedizin.

Über die Attraktivität des Themas Familie diskutieren im Literaturhaus zwei Tage lang Schriftsteller wie Eva Menasse (Foto), John von Düffel, Eleonore Hummel, Arno Geiger und andere unter dem Titel:„Am Nullpunkt der Familie:Generationen und Genealogien in der Gegenwartsliteratur“. Gerrit Bartels

Literaturhaus Berlin, Fr 15.2., 14.30 Uhr, Sa 16.2., 13.30 Uhr,

7/5 €

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