LESUNGENDeutsch-israelische Literaturtage : Familienaufstellungen

Noemi Hahnemann

Seit 2005 laden Goethe-Institut und Heinrich-Böll-Stiftung Autorinnen und Autoren zu den deutsch-israelischen Literaturtagen ein – abwechselnd nach Berlin und nach Tel Aviv. Doch vor dem Hintergrund von Günter Grass’ israelkritischem Gedicht „Was gesagt werden muss“ bekommt das, was vom 25. bis zum 29. April zwischen Deutschem Theater, Gorki-Theater, Literaturhaus und Böll-Stiftung stattfindet, noch einmal eine andere Bedeutung. Unter dem Titel „beziehungsweise(n)“ geht es um Familienbilder in beiden Gesellschaften. Unabhängig davon, dass verwandtschaftliche Beziehungen seit jeher als elementare gesellschaftliche Stütze gelten, kommt ihnen in Zeiten, in denen jeder fünfte Haushalt auf Unterstützung vom Staat angewiesen ist, eine besondere Bedeutung zu.

Den Auftakt machen Lizzie Doron (Foto) und Christopher Kloeble. In ihrem bislang persönlichsten Buch „Das Schweigen meiner Mutter“ beschreibt Doron die Spurensuche einer Frau nach ihrem Vater, dessen Abwesenheit Mutter und Tochter miteinander verschweißt hat. Auf andere Weise sind das auch Christopher Kloebles Figuren. Seine Romanfamilie in „Meistens alles sehr schnell“ trennt und verbindet ebenso viel. Mit Doron und Kloeble unterhalten sich, moderiert von Shelly Kupferberg, zwei Generationen über Familienleben in Israel und Deutschland. Abgerundet werden die Literaturtage durch eine Filmnacht und ein Panel, bei dem Akteure, Journalisten und Autoren über den Begriff der Solidarität, über soziale Vorstellungen des Zusammenhalts und soziale Gerechtigkeit debattieren. Noemi Hahnemann

Deutsches Theater, Mi 25.4., 19.30 Uhr, 5 €, erm. 3 €, Infos: www.goethe.de/literaturtage

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!