LESUNGENDie 14. Lange Buchnacht in der Oranienstraße : Typisch Kreuzberg

Alexander Leopold

Ob er das gern hört, der Hardcore-Kreuzberger, der an jeder Ecke im Kiez die Gentrifizierung fürchtet? Oder die Hardcore-Kreuzbergerin, der die Tourismusströme durch Oranienstraße und Schlesische Straße ein Dorn im Auge sind? Wenn nämlich die Veranstalter der „Langen Buchnacht in der Oranienstraße“ ihren Event als „irgendwie typisch Kreuzberg“ ankündigen: „Literatur in allen angesagten Spielarten, Feuilleton-Seriosität und Straßenavantgarde, vielsprachig, witzig, abgedreht, politisch, individualistisch, global, kiezverbunden, authentisch ... immer ein wenig chaotisch, manchmal der ganz große Wurf, manchmal knapp daneben.“

So also ist Kreuzberg, so seine Bewohner, hm, hm, und so die „Lange Buchnacht“. Was diese jedoch vor allem ausmacht: die ungewöhnlichen Leseorte. Etwa das Wirtshaus Max und Moritz, wo Mathias Gatza (Foto) um 20 Uhr aus seinem Roman „Der Augentäuscher“ vorliest. Oder das Café Kotti, wo Detlef Kuhlbrodt um 20.45 Uhr sein Berliner Szenenbuch „Morgens leicht, später laut“ vorstellt. Oder das Kisch & Co, in dem man sich um 21 Uhr Jan Peter Bremer anschauen und aus seiner Parabel „Der amerikanische Investor“ vorlesen hören kann. Was die Buchnacht gleichfalls ausmacht: die Dichte an guten Autoren. Außer den genannten sind Olga Grjasnowa, Karsten Krampitz, Bernd Cailloux, Johannes Jansen, Zoran Dvenkar, Tanja Dückers und viele mehr dabei. Wie typisch Kreuzberg wirklich ist, davon kann man sich dann die ganze Nacht ein Bild machen. Vermutlich wird es schwer sein, das Typische zu erkennen. Was die Hardcore-Kreuzberger sicher erleichtert. Denn wer will schon „typisch“ sein? Alexander Leopold

Verschiedene Orte, Oranienstraße Sa 12.5, ab 14 Uhr, Eintritt frei, Info: www.lange-buchnacht.de

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