LESUNGHansjörg Schertenleib liest aus seinem Roman „Cowboysommer“ : Heißer Sommer

Es könnte gut sein, dass Hansjörg Schertenleib mit seinem Roman „Cowboysommer“ eine Art Biografie verfasst hat, vor allem die seiner jungen Jahre. Auffällig sind die Parallelen seines Lebens zu dem seines Ich-Erzählers, der sich nach einer Begegnung mit einem alten Kumpel namens Boyroth an den heißen musikalischen Sommer 1974 erinnert.

Wie sein Ich-Erzähler wurde Schertenleib 1957 in Zürich geboren, war er gelernter Schriftsetzer, ist er inzwischen ein nicht ganz unbekannter Schriftsteller. Und diesem Schriftsteller, der im Roman Hanspeter heißt, dem kommt bei einer Lesung im Winter 2010 nicht nur ein Satz aus seiner Vergangenheit mit Boyroth in den Sinn, nämlich „Wäre ich ein Mädchen, ich würde mich auf der Stelle in dich verlieben“. Sondern kurz darauf trifft er Boyroth auch noch an einem Imbissstand, um elf Uhr morgens, mit einem Bier in der Hand, speckig geworden, einen Hund an der Seite, der Zappa heißt.

Boyroth sagt ihm, er hätte die Platte gefunden, die sie seinerzeit unbedingt haben wollten, Canned Heats „Live at Topanga Corral“, und Hanspeters Erinnerungsspirale setzt sich in Gang. Er erzählt von ihrer Freundschaft, ihren Lieblingsplatten, von seiner Liebe zu Boyroths Schwester. Und von einem Motorradausflug sechs Jahre später. Wie autobiografisch „Cowboysommer“ ist, spielt letztlich keine große Rolle. Denn Schertenleib schafft es angenehm unprätentiös, pubertierendes Erwachen und reflektierendes Erinnern zu verbinden und vom Verlust jugendlicher Unschuld zu erzählen. Und überhaupt: So schlimm waren die siebziger Jahre anscheinend gar nicht. Gerrit Bartels

Buchhändlerkeller, Do 16.12., 20.30 Uhr, 5/3 €

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