LESUNGJan Brandt „Gegen die Welt“ : Zur Zeit der Hackfressen

Das wäre was gewesen, hätte Jan Brandt mit seinem über 900 Seiten zählenden Debütroman „Gegen die Welt“ den Deutschen Buchpreis gewonnen, auf dessen Shortlist er stand! Den bekam dann zwar Eugen Ruge für seinen Debütroman „In Zeiten des abnehmenden Lichts“, vielleicht auch, weil 40 Jahre DDR noch nicht so auserzählt scheinen wie die bundesrepublikanischen achtziger Jahre, die der Fokus bei Brandt sind.

Trotzdem hat der 1974 in Leer/Ostfriesland geborene und seit langer Zeit in Berlin lebende Journalist und Schriftsteller Jan Brandt für viel Aufsehen gesorgt mit seinem Roman über die ostfriesische Provinz. Denn er schafft es, diese nahezu in ihrer Gesamtheit abzubilden. Ja, er gestaltet sie dermaßen detailverliebt und mit einem langen Erzählatem, dass man als Leser den Eindruck bekommt, jede Straßenecke und jeden Laden und auch die nähere Umgebung des fiktiven Ortes Jericho zu kennen, jeden einzelnen Bewohner darüber hinaus.

Eine Hauptfigur gibt es jedoch, und die heißt Daniel Kuper und ist der Sohn des findigen Drogisten Bernhard Kuper. Daniel ist ein bisschen merkwürdig, er führt in Jericho ein veritables Außenseiterdasein. Eines Tages entdeckt er im Gefolge eines September-Schneefalls einen riesigen Kreis in einem Maisfeld. Kurze Zeit wird er „zu einem Kind der Minuswelt“, und schon bald gerät das Leben in Jericho in eine leichte Schieflage. Es geschehen weitere merkwürdige Dinge, die nicht zuletzt anzeigen, dass die Provinzwelt der Achtziger mit ihren Tieffliegern, Apfelshampoos, Karottenjeans, Jeverbieren, Ewings und Hackfressen einem steten Wandel unterliegt, deutsche Wiedervereinigung hin oder her. Gerrit Bartels

Buchhandlung Herschel, Do 1.12., 20 Uhr, 7/5 €

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