LESUNGJan Costin Wagner stellt seinen dritten Kimmo-Joentaa-Roman vor : Eiskalte Nachtfahrten

Gerrit Bartels

Man könnte es in frohgemuter Übertreibung einmal so sagen: Die besten Krimis aus Skandinavien schreibt ein Deutscher, nämlich Jan Costin Wagner. Geboren 1972 in Langen bei Frankfurt am Main, lebt Wagner abwechselnd in Frankfurt und in Finnland, dem Heimatland seiner Frau. In Finnland spielen dann auch seine Kimmo-Joenttaa-Krimis, deren dritter in diesen Tagen erscheint: „Im Winter des Löwen“. Erstmals auf den Plan trat Joentaa 2003, als er in „Der Eismond“ Jagd auf einen Serienmörder in Turku machte. Erschwerend kam für ihn hinzu, dass seine Frau Sanna gerade an Krebs gestorben war.

Immer wieder zeigt Jan Costin Wagner seinen Helden in „Eismond“ im Wechsel zwischen Trauer- und beinharter Ermittlungsarbeit, was den Reiz der Joentaa-Romane überhaupt ausmacht: Sie alle sind eine Mischung aus schönen Charakterstudien und Kriminalfall, aus psychologischem Roman und Nordland-Krimi. Der Tod wird hier nicht nur durch Leichen verkörpert, sondern er bietet Joentaa immer wieder Anlass zu zahlreichen existenziellen Reflexionen.

In „Im Winter des Löwens“ hat er es mit einer plötzlich vor seiner Haustür stehenden Prostituierten und dem Mord an einem Gerichtsmediziner zu tun. Dieser war ein paar Wochen zuvor in einer Talkshow, deren Moderator ebenfalls nur knapp einem Anschlag entkommt. Massenmedien und was sie für Einfluss auf die Psyche eines Mörders haben: Auch darum geht es in diesem Kimmo-Joentaa-Roman. Und ohne Übertreibung lässt sich sagen: So gut wie ein Wallander-Roman ist „Im Winter des Löwen“ allemal. Gerrit Bartels

Volksbühne, Roter Salon,

Fr 13.2., 20 Uhr, 6 €

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