LESUNGJunge Autoren lesen Sommergeschichten : Eine Klasse für sich

Es fällt natürlich schwer, den im Prenzlauer Berg ansässigen Berlin Verlag mit dem in Kreuzberg in der Skalitzer Straße gelegenen Konzertladen West Germany in Verbindung zu bringen. Hier also der schon ein bisschen gediegen wirkende, in jedem Fall qualitativ hochwertige Literatur produzierende Verlag; dort ein Schuppen, der den seligen Zeiten eines Fischbüros oder des Ex’n’Pop entsprungen zu sein scheint und auch im wilden Mitte der neunziger Jahre eine gute Figur gemacht hätte: mit kahlen Kacheln, eher heruntergekommen, höchst improvisiert wirkend, aber mit einem exzellenten und manchmal weirden Musikprogramm.

Wie das aber so ist: Der Berlin Verlag kümmert sich vermehrt um jüngere deutschsprachige Literatur und hat nach Thomas Klupps Roman „Paradiso“ gerade einen Band mit 16 Sommergeschichten von jüngeren deutschsprachigen Autoren und Autorinnen veröffentlicht, „Eiszeit“. Die Vorgabe war, Sonne, Strand und Sand zu thematisieren und diese Sommeratmo auf das Gesamtbefinden der Figuren einwirken zu lassen: Leben und Denken unter verstärkter Sonneneinstrahlung. Christiane Neudecker (Foto, links) oder Janna Steenfatt etwa erzählen von Menschen im Urlaub und wie diese nicht miteinander können, wie gerade an Urlaubsorten Träume ihr Eigenleben führen oder die Figuren sich bewusst gegen Träume wehren. Auch Leif Randt (rechts) ist big auf Mallorca. Seine Jungs und Mädchen flirten, trinken Orangenlikör aus Eimern, haben also enorm viel Spaß – wie Randt aber seine Geschichte durchfloskelt und ihr einen zweiten Untergrund verleiht, ist eine Klasse für sich.
Gerrit Bartels

West Germany, Do 17.6., 20.30 Uhr, Eintritt frei, es lesen Leif Randt, Christiane Neudecker, Janna Steenfatt und Gerhild Steinbuch

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