LESUNG„Landungen“ von Michael Ebmeyer : Bis ans Ende der Welt

Man kennt den Vorwurf zur Genüge, der der jungen deutschsprachigen Gegenwartsliteratur stets aufs Neue gemacht wird. Ihr mangele es an Welt, an Welthaltigkeit, die Prosa der jüngeren Autoren kreise hauptsächlich um ihr kleines, zerbrechliches, nicht besonders weltbewegendes (sic!) Mittelschichts-Ich. Worum auch sonst, könnte man dem entgegensetzen. Man könnte es aber auch wie der 1973 in Bonn geborene Schriftsteller Michael Ebmeyer machen: sich nicht um den Kram scheren, den andere sagen – und schreibend die Welt erkunden oder die Welt erkunden und dann schreiben.

So hat Ebmeyer nach seinem 2001 erschienenen Erzähldebüt „Henry Silber geht zu Ende“ neben einigen Romanen nicht nur eine „Gebrauchanweisung für Katalonien“ geschrieben, sondern letztes Jahr mit „Der Neuling“ einen Roman, in dem es einen schüchternen Stuttgarter Versandhauslogistiker nach Sibirien verschlägt, wo er sich in eine geheimnisvolle Sängerin aus dem Volk der Schoren verliebt. Und als sei Sibirien nicht Welt genug, noch zu wenig am Ende der Welt, erzählt Ebmeyer in seinem neuesten, dieser Tage erscheinenden Roman „Landungen“ eine Familiengeschichte über drei Generationen, in der das diesjährige Buchmessengastland Argentinien Dreh- und Angelpunkt ist, ausgehend von der jungen, etwas seltsamen Friederike Soltau, die 1869 in Bremerhaven ein Auswandererschiff nach Argentinien besteigt. 100 Jahre später folgt ihr ein weiterer Soltau, Udo, dessen Sohn Marco noch einmal später gleichfalls ins argentinische Wurzelwerk gerät und die Spuren eines alten Familiengeheimnisses freilegt. Gerrit Bartels

Brotfabrik, Mi 8.9., 20 Uhr, 6 €

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