LESUNGLeif Randts „Schimmernder Dunst über Coby County“ : Sorge um die Obstkorbkinder

Muss man sich Sorgen machen um die Jugend, die Zwanzig- bis Dreißigjährigen? Die Frage stellt sich, wenn man die Romane des 1983 in Frankfurt am Main geborenen und in Hildesheim zum Schriftsteller ausgebildeten Leif Randt für bare Münze nimmt, ihnen einen hohen Wahrheitsgehalt attestiert. In seinem Debüt „Leuchtspielhaus“ porträtierte Randt eine Generation, die sich selbst um nichts Sorgen machen muss; Jungen und Mädchen, die Geld haben, in der Welt herumreisen, gut aussehen, Sex haben, keinen Sex haben. Kurzum: Auf den glitzernden Oberflächen zu tanzen, das beherrschen sie perfekt. Nur hat das auch etwas Steriles, was Randt mit gekonnt distanzierter, teils floskelhafter, teils ironischer Sprache schön unterstreicht. Unter der Oberfläche dieser Jugend ist wenig bis nichts.

In Randts zweitem Roman „Schimmernder Dunst über Coby County“, für den er beim diesjährigen Bachmannwettbewerb einen Preis erhielt, ist es die Generation der „Obstkorbkinder“, die in der fiktiven Wellness- und Freizeitoase Coby County behütet aufwächst und ein schönes, ereignisloses Leben führt. Coby County ist ideal für die Obstkorbkinder – und für ewig junge Erwachsene. Selbst Bedrohungen wie Brände oder ein Sturm können dieser Stadt und schon gar nicht Randts Held Wim Endersson etwas anhaben. Leichter wird dadurch alles nicht, weiß Endersson in einer schwachen Minute, freut sich aber, mit Ende vierzig genauso weiterleben zu können „wie mit neunzehn oder sechsundzwanzig“. Die Bar Tausend, wo Randt seinen Roman vorstellt, ist übrigens ein perfekter Ort für Einsichten wie diese. Gäbe es sie in Coby County, würde man sich auch nicht weiter wundern. Gerrit Bartels

Bar Tausend, Schiffbauerdamm 11, Di 6.9.,

20 Uhr, 5 €

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