LESUNGLinus Reichlin : Kulinarische Kriegsführung

Foto: ©Susanne Schleyer / autorenarchi

Mit Kriminalromanen hat sich der in Berlin lebende Schweizer Linus Reichlin einen Namen gemacht. Diese erzählen mehr als bloße „Whodunnit“-Geschichten. So wie „Er“, den man gleichfalls als Liebesroman lesen kann, oder die Vorgänger „Die Sehnsucht der Atome“ und „Der Assistent der Sterne“, in denen auch philosophisch-wissenschaftliche Fragestellungen erörtert werden. Reichlin versteht sich also nicht nur als Kriminalschriftsteller. Das unterstreicht er mit seinem neuen Roman „Das Leuchten in der Ferne“. Dessen Held: ein Berliner Kriegsreporter namens Moritz Martens, der müde ist von den Kriegen, traumatisiert, auch in Finanznöten. Trotzdem brennt noch Feuer in ihm. Deshalb reist er mit Miriam nach Afghanistan, um hier die Geschichte eines als Jungen verkleideten Mädchens zu recherchieren, die in der Gruppe eines Taliban-Kommandanten untergeschlüpft ist. Allerdings ist diese Geschichte nur das Lockmittel für Martens, eigentlich will Miriam ihren Exmann aus den Fängen der Taliban befreien.

Reichlins Roman hat etwas Abenteuerliches, und nicht immer wird klar, was das Ganze soll: Handelt es sich um das Psychogramm eines Kriegsreporters, der auch noch Feinschmecker ist? Oder will Reichlin hinter die Kulissen blicken und die archaische Welt der Taliban zeigen? Denn Journalisten und Schriftsteller können Afghanistan aus verständlichen Gründen nur durch die Brille der Bundeswehr betrachten. Am nüchternsten und entschlacktesten wirkt „Das Leuchten in der Ferne“ gegen Ende hin, bis dahin ist so manches Klischee zu Beginn vergessen.Gerrit Bartels

Volksbühne, Do 21.2, 20 Uhr,

5 €, erm. 3 €

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