LESUNGMargaret Atwood stellt ihren Roman „Jahr der Flut“ vor : Gefangen im Eros-Center

Gerrit Bartels

Margaret Atwood ist eine Schriftstellerin, die keinem Streit aus dem Weg geht. Ob Umweltzerstörung, Klimawandel, Irak-Krieg oder Finanzkrise: Zu jedem politischen Thema äußert sie sich in Essays, wie letztes Jahr „Payback: Schulden und die Schattenseiten des Wohlstands“, oder verarbeitet sie literarisch. Und nicht nur das, sie lebt auch ökologisch bewusst: Atwood, die 1938 in Ottawa als Tochter eines Insektenforschers geboren wurde, fährt ein Hybridauto und hat auf dem Dach ihres Hauses Sonnensegel, um sich in den heißen Sommern in Toronto nicht ganz von der stromfressenden Klimaanlage abhängig zu machen.

Fest davon überzeugt, dass die „Ich-Ich-Ich-Ära“, wie sie unsere Zeit in einem Interview bezeichnete, nach der Finanzkrise vorbei sein wird, arbeitet Atwood unermüdlich an ihren Büchern, in denen sie gern mal mehr, mal weniger düstere Zukunftsszenarien entwirft. So wie in dem Roman „Oryx and Crake“, in dem sie Gentechnik, neue Medien und das sogenannte postmoderne Privatleben miteinander verwirbelt. Und so auch in ihrem jüngsten Roman „Das Jahr der Flut“, der gewissermaßen eine Weiterentwicklung von „Oryx and Crake“ ist. Denn die Apokalypse ist eingetroffen, aufgrund gentechnischer Manipulation hat es eine „Flut ohne Wasser“ gegeben, eine Seuche, die nur wenige Menschen überlebt haben. Diese versuchen sich jetzt durch ihr Leben zu schlagen – auf Luxusterassen mit blühenden Gärten oder gefangen in Eros-Centern. Atwood erzählt aber auch, wie es zur Katastrophe kam und was ihre Figuren vor dem „Jahr der Flut“ für ein Leben geführt haben. Gerrit Bartels

Ingeborg-Drewitz-Bibliothek, Fr 16.10., 20 Uhr, 5 €

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