LESUNGMathias Nolte liest aus „Louise im blauweiß gestreiften Leibchen“ : Berliner Lieben

Alexander Leopold

Vermutlich hat kaum einer der heutigen Bewohner des Bötzow-Viertels in Prenzlauer Berg noch eine Vorstellung davon, wie es hier einmal vor der Wende aussah, geschweige denn vor dem Mauerbau. Und leider hält sich das Interesse dafür, aus welchen Gründen auch immer, in überschaubaren Grenzen. Der Schriftsteller Mathias Nolte ist da von einem anderen Kaliber. Nach seinem feinen Roman „Roula Rouge“, der 2007 auf der Longlist des Deutschen Buchpreises stand und unter anderem das Bötzow-Viertel zum Schauplatz hatte, hat Nolte seinen neuen Roman „Louise im blauweiß gestreiften Leibchen“ einmal mehr hier angesiedelt, zumindest passagenweise. Genauer: in der Liselotte-Hermann-Straße, die früher einmal Allensteinerstraße hieß (so wie das Bötzow-Viertel früher noch das Ostpreußen-Viertel war).

Hier lebt in Noltes Roman der junge Maler Jonas Jabal, der sich 1959 21-jährig das Leben nimmt. Und hier verliebt Jabal sich in die aus dem Westen stammende Louise. Fast 40 Jahre später wird die 40 Jahre alte gebürtige Hamburgerin Charlotte Pacou von einem reichen Westberliner damit beauftragt, ein Porträt zu suchen, das Jabal einst von Louise gemalt hat, besagtes „Louise im blauweißgestreiften Leibchen“.

Pacou macht sich auf die Suche, und in Folge erzählt Nolte zwei Liebesgeschichten, die sich 1959 und 2007 zwischen Ost und West, zwischen Berlin und Paris, zwischen reich und arm bewegen. Nolte arrangiert das alles mit leichter Hand: unterhaltsam, spannend und mit Sinn fürs klug Melodramatische genauso wie mit dem Mut zum unaufdringlichen Kitsch. Auf dass man diesen Roman bis zum Schluss nicht aus der Hand lege. Alexander Leopold

Georg Büchner Buchladen, Di 3.11., 20 Uhr, 5 €

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