LESUNGMatthias Göritz „Träumer und Sünder“ : Backpfeife für Tarantino

Ein Weltaufreger ist es vielleicht nicht, wenn Quentin Tarantino am Set seines Films „Inglourious Basterds“ eine Ohrfeige bekommt, und zwar vom deutschen Koproduzenten dieses Films. Und sich die Frage stellt: Hat Tarantino zurückgeschlagen? Als Aufhänger für einen Roman eignet sich so eine Geschichte aber ganz gut, für einen Roman, der sich hauptsächlich ums Filmemachen, Filmefinanzieren und insbesondere auch Filmevermarkten dreht.

Der Romancier und Lyriker Matthias Göritz hat diesen Roman mit dem Titel „Träumer und Sünder“ geschrieben. Darin trifft der Journalist Velder Dierks den legendären, geheimnisumwitterten Produzenten Erlenberg zu einem Interview in der Nähe von Rom, um die Tarantino-Geschichte in Erfahrung zu bringen. Die spielt allerdings keine Rolle in den mehreren Gesprächen, die „der Interviewer“ und „der alte Mann“ dann führen. Wichtiger ist Erlenbergs Gleiwitz-Projekt, ein Film über den Beginn des Zweiten Weltkriegs, und überhaupt seine mit dem Kino eng verbundene Lebensgeschichte. Beide treffen sich in Cannes, Venedig und Ferrara, und der alte ist dem jungen Mann zugetan, wobei die Geschichte von Dierks blass wirkt im Vergleich zu Erlenbergs und Göritz’ Roman zuweilen in eine leichte Schieflage gerät. Trotzdem trägt der Stoff, der auch vergessen lässt, dass die Sprache für einen Lyriker bemerkenswert schlicht und betont flott ist (kein Filmmensch spricht übrigens von „Streifen“). Am Ende hat man das Filmgeschäft verstanden – und weiß auch gut Bescheid über die Träume der Filmleute: „Der Vorhang öffnet sich, und dann beginnt das wirkliche Leben. Ein anderes Leben.“ Das Kino, nichts anderes. Gerrit Bartels

TAK - Theater Aufbau Kreuzberg, Mi 7.8.,

20 Uhr, 8 €, erm. 6 €

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