LESUNGMax Frischs Berliner Jahre von 1973 bis 1978 : Schöne Stille in Friedenau

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Ende 1972 war es, als Max Frisch wieder einmal überlegte, seinen Lebensmittelpunkt in eine andere Stadt als Zürich zu verlegen. In eine Stadt, die ihn faszinierte, die er häufig begeistert beschrieben hatte: Berlin. Genauer: den Westteil der Stadt, den Bezirk, in dem er oft zu Gast bei Kollegen wie Günter Grass oder Uwe Johnson war, Friedenau. Frisch übernahm die Wohnung des Literaturkritikers Wolfgang Werth in der Sarrazinstraße, die dieser kurz zuvor gekauft hatte. 1975 beschreibt er in „Montauk“ sie und den Umzug nach Berlin so: „Die Wohnung liegt in der Flugschneise Tempelhof; die Flugzeuge kommen niedrig, so daß es im Hinterhof dröhnt, von Westen her und starten gen Westen; dazwischen Stille, Friedenau. (...) Genau die Art von Wohnung, die wir in Zürich vergeblich gesucht haben: einfach, aber mit hohen Zimmern. So sind wir denn in Berlin. Die Begründungen dafür ergeben sich: Leben mit der Mauer, ein paar Freunde auch drüben, der eine und andere beschämt mich durch Tapferkeit, eine lange Tapferkeit.“

Bis 1978 sollte Frisch mit seiner jungen Frau Marianne in Friedenau wohnen, sollte hier leben, schreiben und Besuche bei Kollegen im Osten der Stadt machen. Unter anderem nahm er mehrmals an Lesungen in Ostberliner Privatwohnungen teil. Frischs Berliner Jahre waren privat eher Krisenjahre, von Beginn an. Sie endeten, als er und Marianne, die noch heute in der Sarrazinstraße lebt, sich 1979 scheiden ließen. Die Literaturkritikerin Nicole Henneberg hat vor ein paar Jahren über Frischs Zeit in Berlin ein Buch verfasst und wird bei der Friedenauer Lesenacht daraus vorlesen. Gerrit Bartels

Literaturhotel Berlin, Sa 25.6, 20 Uhr, Eintritt frei

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