LESUNGReformbühne, Surfpoeten, Kantinenlesen : Niemals mehr allein sein

Alexander Leopold

Es ist nicht ganz leicht, zwischen den Jahren Literatur live erleben zu können. Alle machen Pause und lesen Bücher, anstatt aus eigenen Büchern vorzulesen. Auf bestimmte Autoren und bestimmte Veranstaltungsreihen aber ist glücklicherweise Verlass, im tiefsten Sommerloch genauso wie im noch tieferen Zwischen-den-Jahren-Loch: auf die Lesebühnen und ihrer Schriftsteller und Performer. Da gibt es kein Vertun, kein nichts, kein gar nichts, da geht die Show ohne Unterlass weiter.

Auch der Berufsneuköllner Uli Hannemann (unser Foto) lässt sich da nicht lumpen, selbst wenn er neulich in der „taz“ in einem Text über den Terror der Weihnachtsmärkte die Freuden des Alleinseins propagierte: „Was gibt es Schöneres“, schrieb er da, „als in der dunklen Jahreszeit bei Zwieback und Alraunenmilch zu Hause zu sitzen und sich die Telefonsexwerbung im Sport-Kanal anzugucken, während Kollegen, Freunde und Bekannte kichernd und weinselig über hell erleuchtete Weihnachtsmärkte ziehen und glauben, sie hätten Spaß? Merke: Den meisten Spaß hat man stets alleine.“

Das stimmt natürlich nur, wenn man wirklich die Weihnachtsmärkte nicht umgehen konnte (der schlimmste war übrigens direkt vor dem Alexa gegenüber vom Alexanderplatz). Oder wenn man, was mindestens genauso schlimm ist, zu Silvesterfeiern gehen muss. Wenn man aber im Kreis der Kollegen von der Reformbühne Heim und Welt seinen Spaß haben kann, mit Ahne, Falko Hennig, Jacob Hain, Heiko Werning und Jürgen Witte, dann will auch ein Uli Hannemann nicht mehr allein sein (So 30.12., 20 Uhr, Kaffee Burger). Unermüdlich ist auch Hannemanns Kollegin Lea Streisand, die nicht nur schon am Donnerstag, 28.12., 21 Uhr in der Ä-programmwirtschaft Texte vorliest, sondern auch am Samstag, 29.12, 20 Uhr in der Alten Kantine der Kulturbrauerei, zusammen mit Andreas Kampa, Sarah Schmidt und Gotti.

Und wer nicht genug Lesens- und Hörenswertes von Lea Streisand bekommen kann, der pilgert dann auch noch am Mittwoch, 2.1. um 21 Uhr ins Haus 13 des Pfefferbergs, wo die Surfpoeten (neben Streisand noch Tube, Jacinta Nandi, Konrad Endler und Clint Lucas) einen Abend „der Liga für Kampf und Freizeit“ ausrichten. Auf dass man auch 2013 wirklich nur zu Weihnachtsmarktzeiten auf Zwieback, Alraunenmilch und Telefonsexwerbung zurückgreifen muss. Alexander Leopold

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