LESUNGSteffen Kopetzky stellt seinen neuen Roman „Der letzte Dieb“ vor : Schatzsuche am Nordpol

Alexander Leopold

Der Schriftsteller Steffen Kopetzky ist kein großer Freund des Computerzeitalters. Er liebt das von allen Virtualitäten noch freie 20. Jahrhundert, in dem sich immer auch das 19. Jahrhundert noch spiegelt. Das bewies er mit seinem Roman „Grand Tour Oder die Nacht der großen Complication“ aus dem Jahr 2003, in dem das Schienennetz Europas, die Mechanik von Uhren und eine riesige Pariser Bahnhofskneipe den Hintergrund für eine Komödie im Balzac-Mini-Format bilden. Und das beweist Kopetzky jetzt wieder, da er mit Alexander Salem einen Meisterdieb zur Hauptfigur seines neuen Romans „Der letzte Dieb“ und den ausgedienten Flughafen Tempelhof zu einem der entscheidenden Schauplätze gemacht hat.

Es geht um einen Schatz, der sich hinter der „Operation Nordpol“ verbirgt, und um ein damit zusammenhängendes Geheimnis, dem Alexander Salem, eher aus Zufall und Nachlässigkeit beim Stehlen eines wertvollen Briefumschlags aus einem Hotel in Monaco, auf der Spur ist. Ebenfalls in die einstige „Operation Nordpol“ verstrickt sind eine Ex-Stasi- Agentin und ein merkwürdiger Schriftsteller, der in seinen Geschichten die Umstände der Suche schon vorweggenommen hat.

„Der letzte Dieb“ erinnert in seiner verspielten Groteskheit, seiner Lust an der Kolportage, aber auch in seinem heiligen erzählerischen Ernst manchmal an André Kubiczeks „Die Guten und die Bösen“, manchmal an „Über den Dächern von Nizza“. Immer straight 20. Jahrhundert, immer schön weitschweifig fabuliert. Ein großer Lesespaß! Und das 21. Jahrhundert lässt sich schließlich noch früh genug in Angriff nehmen! Alexander Leopold

Literaturhaus Berlin, Fr 24.10., 20 Uhr, 5 €

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