LESUNGT. C. Boyle stellt seine Romanbiografie über Frank Lloyd Wright vor : Bauen und lieben

Gerrit Bartels

Wer sich allein den Titel dieses neuen Romans von T.C. Boyle anschaut, wird dahinter bestimmt nicht die Lebensgeschichte von Frank Lloyd Wright vermuten, des berühmten amerikanischen Architekten, der 1959 im Alter von fast 92 Jahren starb. „Die Frauen“ heißt der Roman schlicht, doch natürlich lässt sich eine Biografie auch so erzählen: aus der Perspektive von Wrights drei Ehefrauen sowie seiner Geliebten Mamah Borthwick Cheney.

Vermutlich kommt man einem Menschen auf diese Weise sowieso am nächsten, einem Menschen, der Künstler, Egomane, Arschloch, Arbeiter, Autokrat, Familienvater und vieles mehr in einem war. Und der, wie es bei Boyle heißt, vor allem immer wieder eins brauchte: „Komplikationen. Liebe, ja. Und Sex natürlich. Aber noch etwas anderes, etwas Vielschichtiges, Spannungsreiches, eine Beziehung, die in jeder Hinsicht die Säfte fließen ließ“. T.C. Boyle legt mit „Die Frauen“ seine dritte Romanbiografie großer amerikanischer Ikonen vor, nach „Willkommen in Welville“ (1993), dem Porträt des Cornflakes-Erfinders Kellog, und „Dr. Sex“ (2005) über den Sexforscher Albert C. Kinsey. Und Boyle schuldet sich als gewiefter Romancier einmal mehr nichts: Er schaltet einen Erzähler vor, der Wright 1932 erstmals auf seiner Farm in Taliesin begegnet, einen jungen Japaner, und der über 40 Jahre später mit Hilfe eines Co-Autors und zahllosen Fußnoten die Begebenheiten aus Frank Lloyd Wrights Leben allwissend und immer wieder die Perspektiven wechselnd schildert. Ein Erzählstrom sondergleichen, manchmal etwas zu üppig fließend, aber doch immer so, dass man sich bis zum Ende mittragen lässt. Gerrit Bartels

Babylon Mitte, Mo 16.3., 20 Uhr, 15 €

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