LESUNGTerézia Mora stellt ihren neuen Roman vor : Hysterie, drahtlos

Noemi HahnemannD

Eine schnelle Septemberwoche im Leben des Darius Kopp, eines Vertreters für drahtlose Netzwerke – und ein Zerbrechen all seiner existenziellen Gewissheiten im epischen Format. Terézia Mora zerdehnt in ihrem jüngsten Roman „Der einzige Mann auf dem Kontinent“ (Luchterhand) die absurde, in einem fast kommunikationslosen Abseits angesiedelte Arbeitssituation ihres Protagonisten ins Unerhörte und hält zugleich fest, wie er sich von seiner leicht hysterischen Frau Flora entfremdet. Das ist erzählerische Mikroskopie im Breitwandformat, in der Vergrößerung aber auch von einer satirisch-bitteren Grellheit mit hohem Unterhaltungswert. Erzählerische Verlangsamung und Beschleunigung lassen sich hier gar nicht mehr voneinander trennen – intellektueller Stillstand und rasanter emotionaler Niedergang der Figuren sind schließlich nicht weniger eins.

Mora, 1971 im ungarischen Sopron geboren und seit 1970 in Berlin zu Hause, versucht den Wahnsinn einer Welt, die ihre Globalisierung mit völliger Virtualisierung bezahlt, in Literatur zu verwandeln. Dabei navigiert sie auch durch die Nebel eines technokratischen Neusprechs, in dem Anglizismen und Maschinenfaszination eine seltsame Liaison eingehen. Der Plot wird angetrieben von der Sorge um eine Pappschachtel mit 40 000 Euro, die ein Kunde in Kopps Büro liegen lässt – und die Kopp bei allem Bemühen, seine Vorgesetzten über den ungewöhnlichen Fund in Kenntnis zu setzen, nicht los wird. Man hat ihn offenbar im Stich gelassen. Im „Zauberberg“, der ehemaligen „Wolff’- schen Buchhandlung“ in Friedenau, stellt Terézia Mora ihren Roman vor. Noemi Hahnemann

Literarische Buchhandlung – Der Zauberberg,

Mo 14.12., 20 Uhr, 5 €, erm. 3 €

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