LESUNGThomas Kapielski : Trost und Stärke

Im Literaturbetrieb wird gern viel Lärm um bestimmte Autoren, Bücher und Preise gemacht. Dieses Jahr, sagen wir mal, um Felicitas Hoppe, na klar, Büchnerpreis. Oder um Rainald Goetz, na klar, beinharter, unversöhnlicher Wirtschaftsroman. Oder um Ursula Krechel, na klar, Deutscher Buchpreis. Drum herum geht es dann immer um die, die die Preise nicht bekommen haben, Ulf Erdmann Ziegler, Stephan Thome oder Sibylle Lewitscharoff. Oder um die, die Skandale auslösen, Christian Kracht, oder um die, um die es immer geht, Walser, Grass, Handke etc.

Was aber ist mit Thomas Kapielski? Warum bekommt dieser unverwüstliche Künstler und Schriftsteller nicht endlich mal einen richtig fetten Literaturpreis? Es muss ja nicht gleich der Büchner-Preis sein (wenngleich: Warum eigentlich nicht?). Jedes Buch von Kapielski ist ein Kunstwerk, sprachlich, stilistisch, manchmal auch inhaltlich, und leider hat sein jüngstes, wieder vorzügliches Buch „Neue Sezessionistische Heizkörperverkleidungen“ einmal mehr kein großes Echo in den Feuilletons ausgelöst, geschweige denn auf dem Buchmarkt. Eine Schande!

104 Miniaturen mit je einem Foto, mal gegenwartszugewandt, mal sezessionistisch. Kapielski ist auf Reisen oder zu Hause. Oder er sitzt in „meiner kostbar trostreichsten Gaststätte, Zur Quelle“ und macht sich Gedanken über Gott, Welt und Wirklichkeit: philosophischer Art, kalauernder Art, Lesefrüchte präsentierend, verschlafene Worte erweckend. „Mögen wir uns stärken, zu überleben, solange wir leben“. Sich stärken mit Kapielskis Prosa, das ist wahrlich dringend angezeigt! Gerrit Bartels

Museum Neukölln, Mi 12.12.,

19 Uhr, Eintritt frei

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