LESUNGThomas Klupp und Svealena Kutschke lesen aus ihren Debütromanen : Etwas Böses gut versiegeln

Gerrit Bartels

Das hätte sich Thomas Klupp vermutlich nicht träumen lassen: Dass sein Debütroman „Paradiso“ in null Komma nix zum Lieblingsbuch der Feuilletons avancieren würde. Praktisch mit dem Veröffentlichungstag wurde es flächendeckend und meist sehr wohlwollend besprochen. Diese Zuneigung verdankte sich nicht zuletzt einer Sehnsucht, endlich mal wieder einen jungen Autor gebührend feiern zu können. Und es endlich mal wieder auch mit einem Buch zu tun zu haben, das schnell, hart und vor allem böse ist, und das dazu seine literarischen Vorzüge hat. Denn Klupp versteht es, den leicht ätzenden, genauso großmäuligen wie selbstzweiflerischen Ton seines Helden Alex Böhm von Anfang bis Ende zu treffen und zu halten.

Böhm ist auf einer Tramptour von Potsdam nach München, und unterwegs landet er unversehens in seiner oberpfälzischen Heimatstadt Weiden. Nach merkwürdigen Begebenheiten bei diversen Mitfahrern entpuppt er sich in Weiden endgültig als sehr eigene Mischung aus German Psycho, Christian-Kracht-Figur und Nick Adams, nur den Schnabel hält Böhm weiterhin nicht. Das ist abstoßend, oft aber gar nicht so unsympathisch, weil nachvollziehbar: Den smarten, unzuverlässigen Bösewicht ins uns würden wir halt alle gern einmal rauslassen, tun es aber nicht. Dafür lesen wir Klupp. Und vielleicht auch Svealena Kutschke, die ebenfalls in diesem Frühjahr ihr Debüt mit dem umwerfenden Titel „Etwas Kleines gut versiegeln“ vorgelegt hat und darin den lockeren Grenzen zwischen Leben und Kunst auf der Spur ist. Klupp wie Kutschke beweisen, dass die ganz junge deutschsprachige Literatur viel besser ist als ihr Ruf. Gerrit Bartels

Literarisches Colloquium, Do 23.4., 20 Uhr, 6/4 €

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