LESUNGTilo Prückner : Aufstehen lernen

Thorsten Sohn

Zunächst muss man etwas überlegen, wenn man diesen Autorennamen auf einem Buchcover liest: Tilo Prückner? Ist das nicht ein Schauspieler, ein ziemlich beliebter und umtriebiger, ein ziemlich kantiger und glaubwürdiger dazu? Was hat der mit Literatur zu tun? Schließlich handelt es sich um nichts anderes, wenn der Verbrecher Verlag dafür verantwortlich ist. Und nicht etwa um eine Prominentenautobiografie, eine Lebensberatungsfibel oder, die gängigste Variante, ein Ich- habe-auch-ein-Hobby-und-will- davon-erzählen-Buch.

Nein, Tilo Prückner hat mit „Willi Merkatz wird verlassen“ tatsächlich seinen Debütroman verfasst. Darin wird der am Schlesischen Tor in Kreuzberg eine Praxis betreibende Arzt Willi Merkatz eines Tages von seiner Frau Katharina verlassen, nach 39 Ehejahren. Das ist natürlich ein Hammer, zumal der neue indische Geliebte seiner Frau die Altbauwohnung der Merkatz’ in eine Ayurveda-Praxis verwandeln will – ein Affront für Willi, Schulmediziner und Methadon- Arzt für die Kreuzberger Junkies, der er ist. Und so macht sich Willi in seinem Cadillac Seville, Baujahr 1996, auf den Weg in den Süden, nach Würzburg, München, ins Piemont. Und lässt sein Leben und seine Beziehungen Revue passieren. Zu allem Überfluss muss er dann, zurück in Berlin, noch eigener körperlicher Hinfälligkeiten gewahr werden: die Prostata! Prückner versteht es, dieses Willi-Leben locker und leicht nachzuerzählen, in der Art eines Schelmenromans, mit dem Hang zur Satire, aber letztendlich mit vielen ernsten, den letzten Lebensabschnitt eines Menschen reflektierenden Momenten. Thorsten Sohn

Fahimi, Di 17.12., 20.30 Uhr,

4 €

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