LESUNG UND GESPRÄCHRawi Hage und Madeleine Thien : Das Kanada der vielen Farben

Noemi Hahnemann

Es ist nicht schwer zu sehen, dass Rawi Hage und Madeleine Thien, die beiden hier abgebildeten Schriftsteller, ein Paar sind. Es war nur nicht selbstverständlich, dass das Leben sie zusammenführen würde. Kanada, der einwanderungsstärkste Flächenstaat der Welt, hat es möglich gemacht. Rawi Hage, 1964 geboren und als Sohn christlicher Libanesen in Beirut aufgewachsen, ist ein Kind des 1975 ausgebrochenen Bürgerkrieges. Nach einem Umweg über New York ließ er sich in Montreal nieder, um Fotografie zu studieren und veröffentlichte 2006 mit „Als ob es kein Morgen gäbe“ seinen viel gerühmten Debütroman, in dem sich seine von Gewalterfahrungen geprägte Jugend spiegelt.

Die zehn Jahre jüngere Madeleine Thien hat zwar in Vancouver das Licht der Welt erblickt, doch ihre Eltern, eine Hongkong-Chinesin und ein Malaye, kamen zusammen mit ihren beiden älteren Geschwistern aus Malaysia nach British Columbia. Sie debütierte 2001 mit dem Erzählband „Einfache Rezepte“, bevor sie 2006 den Roman „Jene Suche nach Gewissheit“ veröffentlichte, der in die Herkunftswelt ihrer Familie zurückführt. Sie beschäftigen sich also auf sehr unterschiedliche Weise mit migrantischen Erfahrungen, die bei Hage obendrein mit einem Sprachwechsel verbunden waren. In der daadgalerie sprechen sie nun, moderiert von Tagesspiegel-Literaturredakteur Gregor Dotzauer, mit dem polnischen Amerikanisten Krzysztof Majer über die multikulturellen Farben der Behauptung „I’m Canadian in my own way“. Hage stellt dabei seinen Roman „Kakerlake“ vor, Thien „Dogs at the Perimeter“, ihre literarische Auseinandersetzung mit dem Völkermord der Roten Khmer in Kambodscha. Noemi Hahnemann

daadgalerie, Do 23.2., 20 Uhr, Eintritt frei

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