LESUNGZum 80. Geburtstag von Thomas Bernhard : Wie es annähernd war

Thomas Bernhard hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass seine fünf autobiografischen Bücher nur bedingt autobiografisch sind. Sei es, dass er 1975 kurz nach der Veröffentlichung des ersten Bandes „Die Ursache“ mitteilte: „Ich bin aber kein Mann, der ein Memoirenwerk schreibt.“ Sei es, dass er darin immer wieder den Untertitel „Eine Andeutung“ ins erinnernde Spiel brachte: „Und das hier sind Andeutungen von fortwährenden und den, der das notiert, immer und in seiner ganzen Existenz wenigstens irritierenden, ihn nicht ruhen lassenden Gedanken und Empfindungen, nichts weiter.“

Viel später sprach er von einer „Kindheitsbiografie“, auch hier bemüht, die Bezeichnung „Autobiografie“ zu vermeiden. Viele Fakten stimmen, die fünf Bände sind ein Schlüssel zum Prosawerk des 1989 verstorbenen Schriftstellers – und doch bestehen auch sie aus seiner typisch in sich selbst kreisenden, monomanischen, literarisch höchst stilisierten Prosa.

Viel Sound, viel Sog, einhergehend mit Bernhards Willen, der eigenen Wahrheit auf die Spur zu kommen; einer Wahrheit, die am Ende eine Künstlerwahrheit ist – und die eines Kunstwerkes. Es passt ins Bild, dass der Verleger Jochen Jung, der damals beim Residenz Verlag die autobiografischen Bücher veröffentlichte, sich erinnert, wie Bernhard nach der Abgabe des vierten Bandes „Die Kälte“ zu ihm gesagt hat: „Jetzt hätte ich eigentlich Lust, das Ganze einmal so aufzuschreiben, wie es wirklich gewesen ist.“ Am 9. Februar wäre Thomas Bernhard 80 Jahre alt geworden, und einen Tag vorher lesen Ulrich Matthes und Burghard Klaußner aus den autobiografischen Schriften.Gerrit Bartels

Deutsches Theater, Di 8.2.,

20 Uhr, 10 €

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