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Der Tagesspiegel

Wie an den Geburtstagen zu ihrer Lebzeit brandeten bei dem Leichenzug für die „Queen Mum“ kräftiger Beifall und Jubelrufe auf. Sie galten diesmal jedoch der Königin, die ihrer Mutter einen so würde- wie prunkvollen Abschied bereitet hat. So erwies die tote Königin ihrer Tochter und der Monarchie einen letzten großen Dienst. Ein solches Zeremoniell macht den Briten niemand nach. Es zeigte neben Glanz und Gloria einer alten Monarchie auch jene „Volksnähe und Wärme“, für die die Königinmutter geliebt und verehrt wurde. Besonders profitierte davon Prinz Charles, der freimütig in einer Fernsehansprache seinen Schmerz über „die beste Großmutter“ klagte. Vergessen sind die Vorwürfe der britischen Medien über die „gefühllosen und kalten Windsors“ beim Tode von Prinzessin Diana. Der Königin, deren goldenes Thronjubiläum durch den Verlust ihrer Schwester und Mutter überschattet wurde, gilt nun die Sympathie eines Volkes, das Fassung, Würde und stille Trauer bei Schicksalsschlägen auf Dauer mehr schätzt, als die orchestrierte Massenhysterie nach Dianas Tragödie. Freilich ist mit dem Tod der Königinmutter auch das Band zerschnitten, das viele konservative Briten mit verklärten Erinnerungen an das untergegangene Weltreich und Kriegsnostalgien kettet. Das kann dem Image der Monarchie bei den Generationen, über die einmal „Charles III“ oder gar „William V“ herrschen werden, nur gut tun. heb

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