Zeitung Heute : Leuchtende Sparwunder

LEDs machen mit wenig Energie viel Licht. Sie stehen vor dem Durchbruch auf dem Massenmarkt.

Stefan Bauer
Heller Kopf. Eine LED-Glühleuchte der Firma Osram. Foto: Armin Weigel/dpa
Heller Kopf. Eine LED-Glühleuchte der Firma Osram. Foto: Armin Weigel/dpaFoto: dpa

Klein, hell und genügsam: So ist die Leuchtdiode, kurz LED. Nach dem Siegeszug in Handydisplays, Fernsehern und Autos wartet die Lichtindustrie auf den großen Durchbruch in der Allgemeinbeleuchtung – also etwa bei Lampen für Innenräume und Gebäude, die rund drei Viertel des gesamten Lichtmarktes ausmachen.

Branchengrößen wie die Siemens- Tochter Osram und die niederländische Philips investieren Millionensummen in den Schwenk zu LED-Lampen, die länger leuchten und dabei noch weniger Strom verbrauchen sollen als herkömmliche Energiesparlampen – von den alten Glühbirnen ganz zu schweigen. Bei 80 Prozent und mehr liegt die Stromersparnis im Vergleich zu Glühbirnen. Die Lebensdauer gibt die Industrie mit mindestens 30 Jahren an. Das sind eigentlich ideale Voraussetzungen, um vom Trend zur Energieeffizienz und steigenden Strompreisen zu profitieren.

Doch bislang ist der große Durchbruch ausgeblieben, obwohl die LED-Lampen in die üblichen Fassungen passen. Hauptgrund ist der Preis: Trotz harten Wettbewerbs kostet eine LED-Lampe, die so hell wie eine herkömmliche 60-Watt-Glühbirne leuchtet, noch immer gut zwanzig Mal so viel. Selbst im Vergleich zu den bereits teureren Energiesparlampen zieht sie den Kürzeren – jedenfalls bei den reinen Anschaffungskosten.

Paul Hyland, Vorstandschef des weltweit marktführenden Leuchtdioden-Anlagenbauers Aixtron aus Aachen, erwartet jedoch in absehbarer Zeit den Durchbruch: „Spätestens 2013 wird die LED-Allgemeinbeleuchtung durchstarten“, prognostiziert er. Denn der Preisverfall hat schon rasant eingesetzt. Um weitere 30 Prozent dürften die Preise für LED-Lampen in diesem Jahr sinken, schätzt Hyland. Damit würden sie endlich attraktiv genug für den Verbraucher. „Fallende Preise könnten die Einführung bei den Endverbrauchern unterstützen“, sagt auch Equinet-Analyst Adrian Pehl.

Die Branche steckt mitten im Übergang zwischen Alt und Neu. Investitionen in die neue Technik kosten Geld, die mit den alten Umsatzbringern wie den klassischen Glühbirnen und Energiesparlampen erwirtschaftet werden müssen. Nicht zuletzt um diese Investitionen leichter stemmen zu können, soll Osram an Börse.

Die stärkste Dynamik im LED-Markt gibt es in China. In der staatlich gelenkten Wirtschaft ließen 2010 Subventionen die LED-Fabriken regelrecht aus dem Boden schießen. Jetzt wird der Verkauf der Lampen vom Staat mit Geld unterstützt. Das Land will damit den wachsenden Energiehunger der aufstrebenden Volkswirtschaft zügeln.

Dass China es mit dem Energiesparen und dem Wechsel zu LED-Beleuchtungen ernst meint, zeigt ein schrittweises Verbot von herkömmlichen Glühlampen, das von diesem Herbst an gelten soll. Auch andere Länder, nicht zuletzt die Europäische Union, haben den Abschied von der Glühbirne bereits beschlossen.

Aus dem starken Engagement Chinas und weiterer asiatischer Länder erwächst alteingesessenen europäischen Lichtunternehmen wie Osram und Philips auch neue Konkurrenz. Die Spielregeln am Lichtmarkt haben sich geändert: LEDs und ihre Steuerung verlangen nach Wissen um Halbleiter, Computerchips und auch Software.

Kompetenzen, die Unternehmen wie die südkoreanische Samsung, Weltmarktführer bei Speicherchips und erfolgreicher Handybauer, ebenso in das Geschäft gelockt haben wie den japanischen Elektronikkonzern Toshiba. Das Rennen um die neue Rangordnung in der Lichtbranche läuft längst, gleich wie lange der Durchbruch der LED noch auf sich warten lässt. (dpa-AFX)

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