Zeitung Heute : Leuchtturm der Karthographie

Der Tagesspiegel

Das Markenzeichen wirkt nicht gerade modern: ein Männerkopf, von einem Strahlenkranz umgeben, das Haar gelockt, die obere Kopfhälfte ein Globus. Auf dem Stirnband ein antiker Name: Pharus. Auf dieser Insel stand in der Antike eines der sieben Weltwunder: der Leuchtturm von Alexandria.

Tradition wird eben hochgehalten in dem karthographischen Verlagshaus in der Schwedter Straßein Prenzlauer Berg. Seit 100 Jahren hat es – mit Unterbrechungen – Bestand, am Montag wurde dies mit einer Jubiläumsveranstaltung in der alten Staatsbibliothek gefeiert. Nicht, ohne den Rückblick mit der Vorstellung eines neuen Produkts zu ergänzen: „Rund um den Müggelsee“.

An Pharus kam früher kein Berliner vorbei: In den Zwanzigern hing dessen Stadtplan in allen U- und S-Bahnhöfen aus. Schon bald nach der Gründung hatte sich der junge Verlag mit seinen Karten einen guten Namen gemacht, 1903 wurde er mit einer Silbermedaille ausgezeichnet. Pharus-Pläne waren leicht zu erkennen. Die wichtigsten Gebäude waren stets als kleine Abbildungen in seitlicher Draufsicht verzeichnet, Bahnhöfe als winzige Halbröhren hervorgehoben. Manche der alten Karten sind als Reprint noch zu haben, auch die Schätze des umfangreichen Archivs werden nach und nach dem Käufer wieder zugänglich gemacht.

1932 kam der Verlag in Besitz des Druckereibesitzers Wilhelm Möller, dessen Enkel Hans-Carl Mö ller-Regelin gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Rolf Bernstengel dem Unternehmen noch heute vorsteht. 1945 wäre es im Bombenhagel fast untergegangen, ein Teil des Archivs blieb immerhin erhalten. Nach dem Krieg wurde die Produktion zunä chst wieder aufgenommen, bis die Repressionen durch das SED-Regime 1956 das Aus am alten Standort in Prenzlauer Berg brachten. Bis 1972 ruhte die Verlagstätigkeit, dann wurde ein Neubeginn in West-Berlin versucht. Zum Glück hatte die Familie zahlreiche Unterlagen in Sicherheit bringen können.

1991 kehrte der Pharus-Verlag in sein Stammhaus zurück und erweitert seither systematisch sein Sortiment. Einer der Bestseller ist ein kleiner Innenstadtplan: „Wo die Mauer war“.Andreas Conrad

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