LIBANON : LIBANON

Einwohner:

4 Millionen

Staatsform: parlamentarische Republik

Staatschef: Michel Sulaiman

Besonderheiten: von Konfessionen dominiertes, fragiles politisches System

Der Libanon ist am unmittelbarsten betroffen von den Kämpfen und möglichen Umwälzungen in Syrien. Denn der Libanon ist wirtschaftlich, politisch und sozial am meisten verwoben mit Syrien – stand das Land doch jahrzehntelang unter direkter syrischer Kontrolle: Erst mit der Zedern-Revolution 2005 nach dem Mord an Ex-Premier Rafik Hariri verließen Zehntausende syrische Truppen das Land. Vor allem aber sind die Bevölkerung und die politischen Parteien antagonistisch gespalten in Unterstützer des Regimes von Baschar al Assad und Anhänger des Aufstandes gegen ihn, je nachdem welcher Konfession sie angehören: Die Hisbollah, mächtigste politische Kraft in der Regierung, ist dem Assad- Regime verpflichtet, weil es die schiitische islamistische Bewegung unterstützt und als Bindeglied zum Hauptförderer Iran dient, der via Damaskus die Hisbollah mit Geld und Waffen versorgt. Daher steht die Hisbollah fest an der Seite Assads und würde durch einen Regimewechsel deutlich geschwächt werden. Die Bewegung um Ex-Premier Hariri sowie einige christliche Gruppen dagegen begrüßen den Aufstand und wünschen einen Sturz des syrischen Regimes.

Doch die Angst davor, dass der Konflikt übergreifen und das fragile konfessionelle Gleichgewicht im Libanon durcheinanderbringen könnte, führt dazu, dass sich alle Parteien zurückhalten und abwarten. Am Wochenende gab es die ersten drei Toten in der nordlibanesischen Stadt Tripoli, als sich Sunniten und Alewiten wegen unterschiedlicher Loyalitäten im Syrien-Konflikt bekämpften. Daher enthält sich der Libanon bei den meisten Abstimmungen im UN-Sicherheitsrat oder in der Arabischen Liga. Den jüngsten Beschluss vom Sonntag, die Beziehungen zur syrischen Opposition auszubauen und die diplomatischen Beziehungen mit Damaskus abzubrechen, lehnt die Regierung rundweg ab.

Bisher sind etwa 5000 Flüchtlinge aus Syrien über die Grenze gekommen, zumeist im Norden in der Region um Wadi Khaled, wo mehrheitlich Sunniten leben und viele Familienbande über die Grenze hinweg existieren. Die meisten sind bei Verwandten untergekommen.an

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