Zeitung Heute : Licht aus in Berlin

Die erste Nacht in einer fremden Stadt – für die einen ist es Urlaub, für die anderen ein neues Leben. Was geht da durch den Kopf? Vier Menschen erinnern sich.

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Text: Deike Diening; Fotos: Marei Wenzel Julia Miske, 30, zieht mit ihrem Freund Andreas in eine Wohnung im Prenzlauer Berg.

Als Julia Miske am Morgen nach ihrer ersten Nacht in Berlin aufwacht, war ein Lebensabschnitt endgültig vorbei. „Bielefeld war WG, Studium, Jugend,“ sagt sie, in Berlin warten die Ernsthaftigkeit und ein Kohleofen.

Am Umzugstag saß Julia, die Grafikdesign studiert hat, in ihrem alten Auto, und „so, als wollte es gar nicht aus Bielefeld weg“, ging bei niedriger Drehzahl immer der Motor aus. In Magdeburg blieb das Auto zurück, und Andreas Mutter schenkte ihr einen Picknickkorb. Julia war allein in der neuen Wohnung in der ersten Nacht, sie machte Feuer und dachte an Kohlenmonoxyd, denn einen Kohleofen hatte sie noch nie bedient. Ist das Berlin? Andreas fuhr den Umzugswagen zurück, Julia gruselte sich ein bisschen. Sie wusste, dass sie schwanger war. „Es fühlte sich an, als hätte ich mich zu einer schwierigen Prüfung angemeldet – und die Abmeldefrist ist nun endgültig vorbei.“ Dann aber wurde sie ganz ruhig in der großen, stillen Wohnung zwischen den vollen Kisten, sie fand ein Buch mit Märchen und hat auf ihrer Matratze gelesen.

Am Morgen gab es Frühstück aus dem Picknickkorb. Julia klebte die Fenster ab, öffnete die Farbtöpfe, und als Andreas kam, war die Küche schon gestrichen.

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