Zeitung Heute : Licht für Afghanistan

Erfolgreiche Spendenaktion der Werkstatt Deutschland für mehrfach nutzbare Info-Lampen

Jule Conrad

„Wir müssen Geduld haben“, sagt Hamid Karzai, Präsident der Islamischen Republik Afghanistan, wenn es um den Aufbau seines Landes geht. Nach Jahrzehnten des Kriegs und der Gewaltherrschaft wird es noch eine Weile dauern bis Afghanistan wirklich ein sicheres, freies und demokratisches Land ist. Von einem Alltag kann noch lange nicht die Rede sein.

Das betrifft alle Lebensbereiche: So sind zum Beispiel rund 70 Prozent der Bürger Analphabeten, die meisten leben in Armut und ohne wirkliche Berufsperspektive. Lediglich der Opium-Anbau bringt Geld. Internationale Entwicklungshilfeprojekte engagieren sich beim Aufbau der Infrastruktur, der Verwaltungen und der Wiederherstellung von Bildungseinrichtungen. In Deutschland helfen neben der Bundesregierung auch private Initiativen.

Eine davon ist „Licht für Afghanistan“, die der Verein Werkstatt Deutschland 2004 ins Leben gerufen hat. Die Idee zur Patenschaftsaktion entstand als der Verein Hamid Karzai für sein Engagement mit dem Quadriga-Preis „United We Care“ auszeichnete. Karzai verkörpere den zeitgemäßen Verantwortungsethiker hieß es damals in der Begründung. Und: „Mit seiner Tatkraft wird die Utopie friedvoller Zeiten für die Menschen in Afghanistan wirklicher.“

Das war im Oktober 2004. „Wir wussten, dass es in der arabischen Welt zum guten Ton gehört, kleine Gastgeschenke zu geben“, sagt Klaus Riebschläger, erster Vorsitzender der Werkstatt Deutschland. Doch was schenkt man dem afghanischen Präsidenten? Die Verantwortlichen entschieden sich dafür, mit der Ehrung auch einen kleinen Beitrag zum Wiederaufbau des Landes zu leisten.

Also kündigte die Werkstatt Deutschland bei der Preisverleihung an, Geld für so genannte Info-Lampen zu sammeln, die dann direkt in Afghanistan hergestellt werden können. Das Besondere an den Lampen ist, dass es sich dabei um herkömmliche Öllampen handelt, die so umgebaut werden, dass sie mit regenerativer Solartechnik laufen und zudem noch über einen Radioanschluss verfügen. Die neuen Geräte werden dann gerecht im ganzen Land verteilt.

Die Lichtquellen haben einen mehrfachen Nutzen: Nicht nur, dass damit nachhaltige Energieversorgung gefördert wird, es ist auch eine Möglichkeit, überhaupt Licht zu haben. Denn derzeit verfügen gerade mal sechs Prozent der Afghanen über Strom. Zudem dienen die umgebauten Lampen mit dem Radio auch als Informationsquelle, schließlich können sich die Menschen auf diesem Weg über aktuelle Ereignisse informieren. „Licht für Afghanistan“ oder „Verantwortung verbindet“, wie die Initiative auch genannt wird, funktioniert nach dem Prinzip Hilfe zur Selbsthilfe. In Workshops sollen vor allem Frauen und Jugendliche angelernt werden, nebenbei wird ihnen Lesen und Schreiben beigebracht.

Bisher sind mithilfe der eingegangen Spendengelder etwa 10 000 Lampen gebaut worden. Das Geld hat die afghanische Regierung an ein bereits bestehendes Projekt in Kabul weitergegeben. Dass die Hilfe auch tatsächlich ankommt, davon haben sich Klaus Riebschläger und Marie-Luise Weinberger, geschäftsführende Vorsitzende der Werkstatt Deutschland, vor Ort überzeugt. Gemeinsam mit einer kleinen Delegation flogen sie im Juni für vier Tage nach Afghanistan. Mit dabei war auch ein Vertreter des Hauptsponsors Vattenfall. Es ist sicher kein Zufall, dass es sich bei der Initiative um ein Energie-Projekt handelt, wenn der Förderer ein Energiekonzern ist.

In Kabul angekommen war die Delegation plötzlich in einer ganz anderen Welt. „Es war schon bizarr“, sagt Riebschläger. Die Armut der Menschen, die zerstörten Häuser und natürlich auch die ständige militärische Präsenz. Bewacht von deutschen Soldaten fuhren sie durch Kabul und das Umland. Neben dem Besuch des Info-Lampen-Workshops stand auch ein Truppenbesuch an. Über 8000 Soldaten aus 30 Ländern gehören zur „International Security Assistance Force“ (ISAF), Deutschland ist mit 2250 entsandten Soldaten der größte Truppensteller.

Die Mitglieder der Werkstatt Deutschland hatten den Sänger Peter Maffay eingeladen, sie auf die Reise nach Afghanistan zu begleiten. Er sagte zu und gab im Camp Warehouse vor dem deutschen ISAF-Kontingent ein Konzert. Maffay war auch mit dabei als Riebschläger und Weinberger gemeinsam mit dem stellvertretenden deutschen Botschafter zur Audienz bei Hamid Karzai eingeladen waren. Karzai dankte den Deutschen für ihr Engagement.

Zurück in Deutschland hat die Werkstatt Deutschland erneut für die Initiative geworben. Denn: „Wir geben Familien Licht, Frauen Beschäftigung und Jugendlichen Chancen“, sagt Klaus Riebschläger. In der Einladung zur diesjährigen „die quadriga“-Verleihung teilte er mit, dass jeder mit einer Spende von 60 Euro Pate für eine Lampe werden kann.

Seitdem sind schon einige Spenden eingegangen, auch Bundeskanzler Gerhard Schröder überwies einen namhaften Betrag, sagt Riebschläger. „Das Ergebnis der Spendenaktion geben wir am 3. Oktober bekannt.“ Dann sollen auch die nächsten Stufen der Initiative „Licht für Afghanistan“ vorgestellt werden. Spenden nimmt die Werkstatt Deutschland e.V., „Verantwortung verbindet“, Konto-Nr. 546 687 1038, Berliner Volksbank, BLZ 100 900 00, entgegen.

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