Zeitung Heute : Lichterglanz in der Altstadt

Der Spandauer Weihnachtsmarkt ist mittlerweile zu einer Institution avanciert. Seit nunmehr 30 Jahren zieht er die Besucher scharenweise in die schmalen Gassen

Rainer W. During

Ohne den Weihnachtsmarkt in der Adventszeit ist die Spandauer Altstadt kaum vorstellbar. Neben den süßen Leckereien, die nicht nur die Kinderaugen glänzen lassen, ziehen der Duft von Glühwein und Bratwurst, die Arbeiten der Kunsthandwerker und die festliche Stimmung Jung und Alt in Scharen in die Gassen. Längst ist der Freiluftbasar weit über die Bezirksgrenzen hinaus eine Institution, bei der mit Superlativen nicht gespart wird. Vom flächenmäßig größten Weihnachtsmarkt Deutschlands sprachen die früheren Ausrichter. Für die heutigen Veranstalter ist es „einer der größten Weihnachtsmärkte Europas“. Dass ein Berliner Konkurrent in diesem Jahr behauptet, noch größer zu sein, weil der Spandauer Budenzauber nur an den Wochenenden zu seiner vollen Größe aufwächst, spielt da keine Rolle.

Dabei hatte vor 30 Jahren alles noch ganz bescheiden begonnen. Anfang der 70er Jahre galt es, die Attraktivität des Bezirkszentrums während der Altstadtsanierung und deren gleichzeitiger Umwandlung in eine Fußgängerzone zu steigern. Dazu bildete sich eine Gruppe von zehn Geschäftsleuten, Journalisten und Politikern, die als erste Veranstaltung eine Spandauer Maiwoche kreierten. Aufgrund des großen Erfolges beschloss man die Gründung einer Trägergesellschaft. Unter dem Dach der Geschäftsleute-Vereinigung Wirtschaftshof entstand die Arbeitsgemeinschaft Altstadt, die 1974 einen ersten, bescheidenen Weihnachtsmarkt organisierte.

Fünf Jahre später beteiligte sich das Bezirksamt offiziell. Der Budenzauber wuchs immer mehr zu einer Großveranstaltung heran, wegen deren schließlich zunehmend kommerziellen Charakters die gemeinnützige Stiftung Wirtschaftshof nicht mehr als Träger auftreten konnte. 1984 wurde deshalb die Arbeitsgemeinschaft Altstadt ein selbstständiger Verein. Zum Schluss über das Konzept zerstritten, gründeten beide Organisationen gemeinsam mit anderen Interessengruppen auf Drängen des Bezirksamtes schließlich die Partner für Spandau GmbH, die jetzt als Veranstalter des Weihnachtsmarktes fungiert.

So erstrahlt die Altstadt in diesem Jahr bereits zum 30. Mal im Lichterglanz, duftet es in den Straßen nach Glühwein und gebrannten Mandeln, aber auch nach Gyrospfanne oder Chopsuey. Bemüht waren die Organisatoren, die Zahl der Imbiss- und Getränkestände in diesem Jahr zu verringern. Der Versuch, dafür ein verstärktes kunsthandwerkliches Angebot zu präsentieren, ist dagegen nur teilweise geglückt. Gerade an den Wochenenden, wenn der Markt auf die Breite Straße ausgedehnt wird und bis zu 400 Stände umfassen soll, sind wieder Handyschalen, Gemüsehobel, Dampfbügeleisen und unzählige Bekleidungsstände zu finden, bei denen die geforderte, festliche Ausgestaltung oft zu wünschen übrig lässt.

Dass Qualität nichts mit Quantität zu tun hat, beweist der bis zum 23. Dezember stattfindende Kernmarkt mit 150 festen Weihnachtsbuden auf dem Marktplatz und in der Carl-Schurz-Straße. Spätestens nach Einbruch der Dunkelheit kommt hier Weihnachtsstimmung auf, die von passender Musik „aus der Konserve“ – teils auch live auf der Bühne gespielt – begleitet wird. Und während an der Gedächtniskirche erst im zweiten Anlauf ein angemessener Weihnachtsbaum aufgestellt werden konnte, hatten die Spandauer mit ihrer 16 Meter hohen Weißtanne aus der Schwarzwaldregion Sasbachwalden auf Anhieb mehr Glück.

Traditionsgemäß wird der Weihnachtsmarkt durch einen Rummel vor dem Rathaus ergänzt, der in diesem Jahr von einem 30 Meter hohen Riesenrad dominiert wird. Kulturell-besinnliches Zentrum der Veranstaltung ist dagegen wieder die prächtige St.-Nikolai-Kirche mit einem vielseitigen Konzertprogramm. Auf dem Reformationsplatz gibt es an den Wochenenden wieder einen speziellen Kunstgewerbemarkt, hier hat auch die Weihnachtskrippe mit lebenden Schafen und Eseln ihren neuen Standort gefunden.

Im Vorjahr strömten 1,3 Millionen Besucher in die Spandauer Altstadt, weil der Weihnachtsmarkt zum Jubiläum auf 30 Tage verlängert wurde, hoffen die Veranstalter diesmal auf noch größeren Zuspruch. Werktags ist der Budenzauber von 10 bis 20 Uhr geöffnet, sonnabends wegen der großen Nachfrage erstmals bis 21 Uhr, sonntags bis 19 Uhr.

Infos gibt es im Internet unter:

www.weihnachtsmarkt-spandau.de .

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar