Zeitung Heute : „Liebe kennt keine Grenzen“

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Takis Vovides, 69, ist parteiloser Stadtrat in Larnaka. Seit acht Jahren traut er Paare im Standesamt.

Woher kommen die Paare, die Sie trauen?

Es ist wundervoll, dass von überall auf der Welt Menschen nach Zypern kommen, um sich trauen zu lassen. Sogar aus Mauritius und Tasmanien. Aber die meisten kommen aus Israel. Das sind zum Beispiel Neueinwanderer aus Russland oder der Ukraine, die die notwendigen Dokumente nicht beibringen können, welche das Rabbinat verlangt, um sie zu trauen. Eine zivile Ehe gibt es nicht in Israel.

Wenn ein Jude eine Muslimin heiraten will, ist Zypern die nächste Möglichkeit.

Genau. Neulich hatte ich eine jüdische Sekretärin und einen jordanischen Taxifahrer. Und davor eine jüdische Witwe, die sich in einen palästinensischen Klempner verliebt hatte, der in ihrem Haus arbeitete. Anfangs sind die Paare immer ein bisschen reserviert, aber nach einiger Zeit erzählen sie mir ihre Geschichten.

Sie klingen so, als mache Ihnen Ihr Beruf großen Spaß.

Und wie! Er macht mich glücklich. Wenn diese Paare dann vor mir stehen und endlich Mann und Frau sind, nach all den Widerständen in ihrem Land, brechen sie in Tränen aus. Die Liebe kennt eben keine Grenzen. Manchmal kommen auch Libanesen zu uns, denn dort gibt es ebenfalls keine zivile Ehe. Stellen Sie sich vor, ich habe sogar den Sohn des libanesischen Verteidigungsministers, einen Sunniten, getraut. Er hat eine maronitische Christin geheiratet – und das nach dem langen Bürgerkrieg dort.

Welche Vorlieben haben denn die verschiedenen Nationalitäten?

Britinnen heiraten gerne in Weiß, Israelis bringen ihre eigene Musik mit.

Sind Sie selbst verheiratet?

Natürlich, meine Frau ist Amerikanerin.

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