Zeitung Heute : Lieben und lieben lassen

KAMMERMUSIKSAAL Sebastian Koch leiht Robert Schumann seine Stimme in einem Programm über die berühmteste Musikerehe der Romantik

FREDERIK HANSSEN

Du bist die Ruh, du bist der Frieden, du bist vom Himmel mir beschieden.

Du hebst mich liebend über dich,

mein guter Geist, mein bess’res Ich.

Die Geschichte ist immer wieder bewegend. Denn es ist eine dieser Geschichten von der ganz großen Liebe, die sich in einem feindlichen familiären Umfeld bewähren muss. Ein Drama von Romeo-und-Julia-Dimensionen, nur mit Happy End. Zumindest eine Zeit lang.

Leipzig, 1834. Robert ist Clara verfallen. Und sie vergöttert ihn. Doch Claras Vater hat mehr mit seiner Tochter vor, als sie einem komponierenden Tagträumer zu überlassen. Der Klavierpädagoge Friedrich Wieck will seine Älteste zu einem europäischen Star machen. Unnachgiebig drillt er sie, jagt sie von Konzertsaal zu Konzertsaal. Doch ihr Erfolg beim Publikum erklärt sich nicht allein aus technischer Brillanz. Nein, diese junge Frau vermag in ihren Interpretationen Virtuosität mit sensibler Einfühlung zu vermählen. Nur ihren Robert Schumann soll sie nicht ehelichen dürfen. Sechs bittere Jahre lang kämpfen die jungen Leute um ihr Glück, bis endlich ein Gerichtsurteil der Ehe 1840 den Weg frei macht.

Seine Clara ist Martina Gedeck

Sebastian Koch liebt diese Liebesgeschichte – wie jeder Mensch, der ein Herz hat. Seit fünf Jahren schon verwandelt er sich regelmäßig in Robert Schumann, für einen musikalisch-literarischen Abend über das Traumpaar der deutschen Romantik, der jetzt erstmals auch in Berlin zu erleben ist. Bei der Soiree sind sie zu fünft: zwei Sänger und ein Pianist, die gemeinsam den Liederzyklus „Myrten“ vortragen, das Hochzeitsgeschenk des Komponisten an seine Klaviervirtuosin, Sebastian Koch – und Martina Gedeck. „Wir lesen Passagen aus den unzähligen Briefen, die sich die beiden in der Zeit ihrer Fernbeziehung geschrieben haben“, erklärt der Schauspieler. „Unglaublich schwärmerische Sätze, die zwischen den beiden hin- und herfliegen wie heute SMS.“

Als sich Martina Gedeck und Sebastian Koch zum ersten Mal in die Schumanns verwandelten, hatten sie bereits eine gemeinsame musikalische Liebesszene hinter sich: Ziemlich am Ende des Films „Das Leben der anderen“, als der Schriftsteller Dreyman erfährt, dass sich ein Freund umgebracht hat, setzt er sich an den Flügel und beginnt, die „Sonate vom guten Menschen“ zu spielen. Still tritt seine Frau hinter ihn, gemeinsam lauschen sie den Tönen nach, wie es auch Clara und Robert Schumann oft getan haben mögen.

Ja, mein Herz, es ist der Spiegel,

Freund, worin du dich erblickt.

Diese Brust, wo deine Siegel

Kuss auf Kuss hereingedrückt.

Sebastian Kochs Beziehungen zur sogenannten ernsten Musik sind enger, als man annehmen würde. Seine Mutter hörte immer Klassik, als Kind hat er im Chor gesungen, bis zur Pubertät sowohl Geigen- als auch Trompetenunterricht bekommen. Dann aber legte er sich ein cooleres Instrument zu – die Gitarre –, brachte sich selber die Griffe bei, begann, Texte zu vertonen und wäre fast in die Berufslaufbahn eines fahrenden Barden geraten. Mit einem Kumpel und jeder Menge politisch engagierten Liedern zog er als Gitarrenduo durch die Lande – so erfolgreich, dass man ihnen anbot, eine eigene Schallplatte aufzunehmen.

Seinen schwäbischen Akzent allerdings wollte Sebastian Koch dann doch nicht auf Vinyl verewigt wissen. Auf einer Schauspielschule, dachte er sich, lässt sich der schnell abtrainieren. Und so stand der Karlsruher dann 1982 auf der Bühne der Münchner Falckenberg-Schule und nestelte an seiner Gitarre herum. Doch das Ding wollte sich einfach nicht stimmen lassen. Schließlich trug er die Erich-Kästner-Texte ohne seine selbst komponierte Begleitung vor – und wurde angenommen. „Es dauerte nicht lange, bis ich wusste: Das ist genau mein Ding, hier bleibe ich.“ 1990 bekommt er sein erstes großes Engagement am Berliner Schillertheater, seit Mitte der neunziger Jahre arbeitet er vor allem für Film und Fernsehen, neben Donnersmarcks oscarprämierter Stasi-Geschichte gehören „Speer und er“, „Stauffenberg“, „Die Manns“, „Black Book“ sowie „Tanz mit dem Teufel“ zu seinen großen Erfolgen.

Die Musik spielt die Hauptrolle

Eine Gitarre samt Verstärker steht heute noch in seinem Charlottenburger Büro. Und mit den Schumann-Abenden sucht er immer wieder den direkten Kontakt zum Publikum. Auch wenn ihm klar ist, dass die meisten im Saal eher von den prominenten Schauspielernamen angelockt wurden als von Schumanns 26 Liedern (unter anderem auf Gedichte von Goethe, Rückert und Heine), kommt für ihn in der Aufführung der Musik die entscheidende Rolle zu: „Sie darf niemals zur kitschigen Untermalung der Texte verkommen, soll keine Ablenkung sein, sondern eine Zulenkung“, betont er. „Ich finde es großartig, wie Sprache und Gesang ineinandergreifen, wenn sich Clara in einem Brief für ein Lied bedankt, das Robert ihr geschickt hat, und man genau diese Komposition direkt danach auch vorgesungen bekommt.“

FREDERIK HANSSEN

Frage nicht: wie soll sich’s wenden?

Frage nicht: wie soll das enden?

Enden? Enden soll sich’s nie.

Wenden? Noch nicht weiß ich, wie!



Sebastian Koch und Martina Gedeck:

21.2., 20 Uhr

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