Zeitung Heute : Lieber auf die Leiter

Wie Heimwerker Unfälle vermeiden können

Stephanie Hoenig (dpa
Wackelige Sache. Rund 300 000 Hobbybastler verletzen sich pro Jahr. Foto: dpa/tmn
Wackelige Sache. Rund 300 000 Hobbybastler verletzen sich pro Jahr. Foto: dpa/tmnFoto: dpa-tmn

Heimwerken ist für viele Menschen ein Hobby – und gleichzeitig eine Möglichkeit, Geld zu sparen. Aber es ist auch nicht ungefährlich: Mehr als 300 000 Heimwerker verletzten sich pro Jahr, erklärt Jörg Feldmann von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin in Dortmund. Männer seien erheblich häufiger betroffen als Frauen. An der Spitze stünden Verletzungen mit scharfen und spitzen Gegenständen sowie Stürze. Viele Unfälle ließen sich aber vermeiden.

„Leichtsinn durch unsachgemäßen Gebrauch von Geräten kann leicht zu Unfällen führen“, warnt Reinhold Auth von der DIY(Do-it-yourself)-Academy in Köln. So mancher Heimwerker lese die Gebrauchsanweisung der neuen Maschine nicht oder setze sie für nicht vorgesehene Arbeiten ein. Auch Manipulationen an den Geräten seien keine Seltenheit. Bei Kreissägen werde zum Beispiel häufig der Spaltkeil abmontiert oder die Schutzhaube abgenommen. Mancher Heimwerker manipuliere auch die automatische Abschaltung: „Verhakt sich dann der Bohrer und wird nur mit einer Hand gearbeitet, kann die Maschine einem das Handgelenk brechen“, warnt Auth.

„Vorsicht ist auch beim Kauf von Secondhand-Werkzeugen geboten, die über das Internet oder auf Flohmärkten angeboten werden“, sagt Susanne Woelk von der Aktion Das Sichere Haus (DSH) in Hamburg. Da man das Gerät bei Internet-Auktionen nicht prüfen könne, rate sie von solchen Käufen ab. Auf dem Flohmarkt könne man sich wenigstens überzeugen, ob die Maschine vollständig und unversehrt sei.

Auch die passende Schutzausrüstung darf nicht fehlen. „Beim Abschleifen von Farbe, überall wo feiner Staub entsteht und bei Arbeiten über Kopf muss eine Schutzbrille getragen werden“, sagt Ludger Küper vom Paint Quality Institute in Schwalbach im Taunus. „Ein Mund- und Atemschutz ist bei Spritzarbeiten mit Farben ein Muss“, erklärt Auth; und zwar egal ob Spraydose oder Spritzgerät zum Einsatz kommt. Auch bei Arbeiten mit Buchen- und Eichenholz sei ein Mundschutz Pflicht. Gegen Hörschäden durch laute Maschinen hilft ein Hörschutz. „Schutzhandschuhe sind nicht immer ratsam“, sagt Woelk. Denn Kreissägen oder ähnliche Geräte könnten den Handschuh erfassen – und damit die ganze Hand. Um nicht hängen zu bleiben, ist auch eng anliegende Kleidung empfehlenswert.

Sicher arbeiten kann nur, wer sicher steht. „Es ist ratsam, den Boden in der Werkstatt immer zu reinigen, Leitern sorgfältig aufzustellen und auf herumliegendes Werkzeug und hängende Kabel zu achten“, sagt Auth. Eigenkonstruktionen aus Tischen, Kisten oder Stühlen sind besonders unfallträchtig. Eine stabile Leiter oder ein Tritt sollten immer griffbereit sein. „Das Risiko, von der Leiter zu fallen, kann beim Streichen durch die Arbeit mit Teleskopstangen verringert werden“, erklärt Küper. So werde auch der Rücken geschont und das Ergebnis sei meist besser. Stephanie Hoenig (dpa)

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