Zeitung Heute : "Lieber, böser Weihnachtsmann" - ein sadistisches Psycho-Spiel auf Pro 7

M.B.

"Missbrauch beim Krippenspiel?" - Schlagzeilen wie diese, glaubt Redakteur Oliver Ziegler (Miroslav Nemec), fördern die Weihnachtsauflage seines Blattes mehr als christliche Botschaften. "Das Fragezeichen lassen wir weg, es wird sowieso nicht mitgelesen", befiehlt der Zeitungsmann noch, bevor er sich zur Heiligabendfeier im Familienkreis aufmacht. Doch zumindest ein Leser scheint das Berufsethos des Skandal- Journalisten nicht zu teilen. Auf Zieglers geräumigem Anwesen lauert bereits der entlassene Sträfling Barth (Rufus Beck), um als falscher Weihnachtsmann mit Revolver statt Rute die Bescherung zu übernehmen. Der Mörder eines Callgirls will sich an dem Journalisten und seiner Familie rächen, weil der ihn in seiner Zeitung als mordlüsterne Bestie gebrandmarkt hatte.

Der holländische Regisseur Ben Verbong drehte den Thriller "Lieber, böser Weihnachtsmann" (Pro 7, 20 Uhr 15) nach einem Drehbuch von Ulli Stephan. Er inszenierte die Geiselnahme unterm Tannenbaum als sadistisches Psycho-Spiel des Killers, der die Familienmitglieder voreinander bloßstellt. Innerlich kochend, aber äußerlich unbeeindruckt erfährt Mutter Kim (Jennifer Nitsch) vom Liebesverhältnis ihres Mannes, er wiederum, dass seine stressgeplagte Frau tablettensüchtig ist und der behüteten Tochter Marie (Sonja Bertram) Sex und Drogen nicht mehr unbekannt sind.

Der Einbruch des Bösen ins Familienidyll entfaltet hier zwar nicht die verstörende Kraft berühmter Kino-Vorbilder wie "Kap der Angst" oder vor allem Michael Hanekes "Funny Games". Als Mittel, um der Krimi- Handlung eine weitere psychologische Dimension hinzuzufügen, scheint das Motiv aber auch im TV-Krimi derzeit beliebt zu sein. Neben dieser ersten Filmproduktion einer Münchner Filiale der holländischen Firma Endemol sprengten bereits eine Woche zuvor in der Südwest-3-Produktion "Stille Nacht, heilige Nacht" von Thomas Stiller drei gewalttätige Psycho-Nikoläuse ein friedvolles Weihnachtsfest.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar