Zeitung Heute : Lieber Speck als dürr

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Betrifft: „Ungesunde Schulanfänger“ im Tagesspiegel vom 17. Mai 2002

Zum soundsovielten Male wird unter dieser oder ähnlicher Überschrift nur über die übergewichtigen oder adipösen Schulkinder berichtet. Niemals ist davon die Rede, wie viele der untersuchten Kinder untergewichtig sind. Durch meine Töchter habe ich einen gewissen Einblick in den Ernährungszustand von Schulkindern und sehe da, dass auf die Zahl der „Pummel“ eine weit höhere Zahl der auffällig untergroßen und der deutlich untergewichtigen Kinder kommt.

Was ist daran normal, wenn eine Drittklässlerin für einen Sechs-Stunden-Schultag ein Fläschchen Trinkjoghurt von zu Hause mitbekommt? Vorpubertären Speck ziehe ich allemal dem krankhaften Wahn nach „ewiger Schlankheit und Jugend“ vor, der vielen Kindern offenbar schon ab der Muttermilch eingeflößt wird.

Über Ästhetik lässt sich ja bekanntlich streiten, aber meine (nicht ganz dem heutigen, mageren Idealbild entsprechenden) Kinder sind im Verein fleißige Sportler, ausgeschlafene Schüler und vitale, lustige Kinder und: Sie haben nicht jede Woche Kopfschmerzen, fehlen nicht alle vierzehn Tage im Unterricht wegen ihrer überempfindlichen Verdauung oder wegen Schwindelgefühls oder Nasenblutens. Wer schaut darauf, wie oft sich die überzarten, blässlichen Kinder im Laufe der Schuljahre bei einfachen sportlichen Tätigkeiten die Knochen brechen?

Susanne Bukowiecki, Berlin-Wittenau

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