Zeitung Heute : Lieber zu viel Geld als zu wenig

Max Herbst

Wer ein Haus baut oder eine Wohnung erwirbt muss sich meistens hoch verschulden. Dennoch kalkulieren die meisten Haushalte sehr knapp. Dadurch kommt es häufiger vor, dass das Geld plötzlich doch nicht reicht, um die letzten Handwerkerrechnungen zu bezahlen. Was ist dann zu tun?

Die einen überziehen das Girokonto oder nehmen zusätzlich einen Ratenkredit auf. Das ist teuer, denn die Zinsen für solche Darlehen betragen häufig um die zehn Prozent. Außerdem verlangen die Geldhäuser hier eine zügige Rückzahlung der Schulden, und das belastet das monatliche Budget zusätzlich. Günstiger wäre es, die ursprünglich vereinbarte Kreditsumme zu erhöhen. Solche so genannte Nachfinanzierungen haben aber einen Haken: Die meisten Hypothekenbanken und Vermittler bewerten sie wie eigenständige Darlehen. Die Folge für den Kreditnehmer: Er muss mit "Kleindarlehenszuschlägen" von bis zu zwei Prozent rechnen. Außerdem wird noch einmal geprüft, ob der Wert der Immobilie hoch genug ist. Denn die Geldhäuser verlangen eine Absicherung des zusätzlichen Kredites durch eine Eintragung ins Grundbuch. Und auch das kostet extra: Notar- und andere Gebühren.

Daher ist es ratsam, die ursprüngliche Darlehenssumme von vornherein etwas großzügiger zu bemessen. Allerdings sollte man dies verbinden mit dem Recht auf eine Sondertilgung, eine Rückzahlung von beispielsweise fünf Prozent des Kreditbetrages. Im besten Fall kommt es dann nicht zu unvorhergesehenen Kosten beim Bau des Einfamilienhauses, und der überflüssige Betrag geht sofort an die Bank zurück.

Eine andere Alternative ist es, das Geld bei Verwandten zu leihen. Ihnen kann der Schuldner außerdem eine schnelle Rückzahlung des Geldes zusichern: Zum Beispiel, indem er die Eigenheimzulage des Staates nicht auf das eigene Konto sondern auf das der Verwandten überweisen lässt. Da besteht dann auch keine Gefahr, dass die Verwandten auf ihren Forderungen sitzen bleiben: Der Staat gilt als bester Schuldner überhaupt.

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