Zeitung Heute : Liebesgrüße aus dem Internet (Kommentar)

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Die Philosophen behaupten, dass die Welt immer abstrakter wird. Immer mehr Ideen, immer weniger Erlebnisse. Aber ein Computerzusammenbruch ist beides, abstrakt und konkret. Dein Wissen, dein Kontoauszug, deine Briefe, weg sind sie. Für den 1. Januar 2000, null Uhr, war die Katastrophe angekündigt, von den Schwarzsehern, danach noch einmal für den 29. Februar. Viele sagten: Die Schwarzseher sind Spinner. Jetzt ist der Unfall da. Ein Virus namens "I love you" vernichtet weltweit Computerdateien. Behörden müssen die Arbeit einstellen. Firmen fahren ihre Netzwerke runter. Als Spinner sind wieder einmal jene enttarnt, die glauben, es könne Technik ohne Pannen geben, ohne Katastrophen. Die Computerbranche wird aus dem "I love you"-Vorfall lernen, aus Unfällen lernt die Industrie immer. Zum Schutz vor dem Internet-Virus werden sie ein Internet-Kondom erfinden. Der nächste Unfall wird deshalb anders aussehen, aber auch er wird kommen. Man muss vor der Technik keine Angst haben, man darf ihr nur nicht vertrauen. Fein raus waren gestern die Zeitungen, deren Redaktionssystem ein bisschen altmodisch ist. Zum Beispiel der Tagesspiegel. Unser System ist wie eine sehr alte Dame, die keine Röteln mehr kriegt. So konnten wir uns auf eine journalistische Grundsatzfrage des 21. Jahrhunderts konzentrieren: Wie zum Teufel illustriert man, in der Zeitung, einen Internet-Unfall?

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