Zeitung Heute : Liebesgrüße aus Havanna

ADMIRALSPALAST Die kubanische Tanzshow „Ballet Revolución“ kehrt nach Berlin zurück – mit neuen Choreografien, einem fantastischen Tänzerensemble und einer tollen Live-Band.

SANDRA LUZINA
Die kubanischen Tänzer sind eine Klasse für sich. Hier wagen sie ein Tänzchen auf den Straßen von Havanna.
Die kubanischen Tänzer sind eine Klasse für sich. Hier wagen sie ein Tänzchen auf den Straßen von Havanna.Foto: Sven Creutzmann

Das Teatro Nacional in Havanna liegt unweit der Plaza de la Revolución. Im neunten Stock haben die Tänzer von „Ballet Revolución“ sich schon warm getanzt. Bald brechen sie wieder zu einer Europa-Tournee auf, vorher werden in einer sechswöchigen Probenphase neue Choreografien für die Tanzshow erarbeitet. Die 20 Tänzer machen ihre Dehnungsübungen und scherzen miteinander. Eine athletischer Schwarzer absolviert lässig eine schwierige Sprungkombination. Dann lässt Roclan Gonzalez Chavez seine Koryphäen wieder antreten, um ein paar neue Moves auszuprobieren. Er feilt gerade an der Choreografie zu einem kubanischen Mambo. „Ich bin hier, um den kubanischen Esprit zu beschützen“, sagt Chavez, den hier alle nur Rocky nennen.

Neben Chavez wurde auch der Australier Aaron Cash verpflichtet. Die Choreografen kommen aus zwei Welten, aber beide sind echte Showprofis. Sie passen zusammen wie die Cola und der Rum in einem Cuba libre. Aber der kubanische Cocktail wäre nichts ohne die superben Tänzer. Die brilliante Technik verbinden sie mit einem überschäumenden Temperament und einer wunderbaren Sinnlichkeit. Das Tanzen liegt den Kubanern nicht einfach im Blut. Die Karibikinsel ist berühmt für ihre Nachwuchsförderung. Fast alle Tänzer von „Ballet Revolución“ sind Absolventen der Escuela Nacional de Arte, die mit ihren zwei Tanzsparten weltweite Anerkennung genießt. Die ENA ist eine harte Kaderschmiede, das bestätigen alle Tänzer. Auch Chavez hat hier studiert – und zwar modernen und folkloristischen Tanz. „Ich war ein Revoluzzer“, gesteht er. Heute unterrichtet er hier – und wenn Rocky kommt, sind die Schülerinnen ganz aus dem Häuschen.

Vielleicht nicht revolutionär, aber doch einzigartig ist der energiegeladene Stilmix von „Ballet Revolución“. Die phänomenalen Sprünge und Pirouetten des Balletts kombinieren sie mit Elementen von Afro-Cuban, zeitgenössischem Tanz und Streetdance, fügen noch rasante Salsa-Drehungen hinzu. Den künstlerischen Spagat bekommen sie wunderbar hin. Es gibt noch andere Shows, in denen Ballett und Popmusik aufeinandertreffen. Doch die Kubaner sind einsame Spitze, sie bewahren die schöne Linie, sie kosten jede Bewegung aus, nichts wird verzappelt.

Während Aaron Cash den Fokus auf erotisch aufgeladene Pas de deux legt, sind Chavez’ Choreografien viel stärker von den kubanischen Rhythmen inspiriert. Er präsentiert seine Tänzer als ausgelassenes Kollektiv, in dem jeder seine Individualität einbringen kann. Die Tänzer feuern sich gegenseitig an und umgarnen einander. Die klassische und die moderne Fraktion liefert sich einen lustvollen Wettstreit, bis alle wieder zu einem wogenden Mambo-Ensemble verschmelzen. „Wir Kubaner lieben es, zusammen zu tanzen und aufeinander zu achten. Wir sind mit dem Herzen dabei,“ bringt es Danilo auf den Punkt. Das kubanische Tanzwunder kann man nun wieder in Berlin bewundern. Sechs Tage lang wird die fantastische Truppe den Zuschauern einheizen. Wer sie einmal gesehen hat, der wird zum Aficionado. SANDRA LUZINA

4.-9.2., Di-Fr 20 Uhr, Sa 15 und 20 Uhr,

So 14 und 18 Uhr

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