LIEDERABENDWaltraud Meier : Ohne Vergleich

Dirk Becker

Es gibt Komplimente, über die kann Waltraud Meier nur lachen. Sie eine „zweite Callas“ zu nennen beispielsweise. Immer diese Vergleiche! Albernheiten nennt sie das. Waltraud Meier ist Waltraud Meier. Bei aller Begeisterung für ihre Sangeskunst und die zahlreichen Auszeichnungen kann diese einfache und überzeugendste Tatsache doch nicht so schwer zu verstehen sein.

Mittlerweile liegt es 25 Jahre zurück, dass Waltraud Meier in der Rolle der Kundry in Richard Wagners Parsifal auf dem berühmten grünen Hügel von Bayreuth ihren Welterfolg begründete. Das Bayreuther Festspielhaus wurde der Mezzosopranistin fortan zur Heimstatt. Zehn Jahre sang sie auf dem grünen Hügel die Kundry. Es folgten die Isolde, Sieglinde, Ortrud und die Venus. Waltraud Meier etablierte sich zu einer der wohl international bedeutendsten Wagner-Interpretinnen, was ihr dann auch gleich besagte Albernheiten wie die „zweite Callas“ einbrachte.

Vor vier Jahren hat Waltraud Meier zum ersten Mal abseits der Opernbühne mit Liederabenden auf sich aufmerksam gemacht. Aber auch in dieser fast schon intimen Atmosphäre, einzig begleitet vom Klavier, bleibt sie Opernsängerin durch und durch. Mit ihrem aktuellen Programm mit Liedern von Strauss und Schubert ist sie nun zusammen mit dem jungen Pianisten Joseph Breinl zu erleben. Ob die Dramatik in Schuberts „Gretchen am Spinnrad“ oder „Der Erlkönig“, ob die tiefe Melancholie in Strauss’ „Vier letzte Lieder“, Waltraud Meier taucht und stürzt sich in diese Lieder, dass sie zu etwas ganz Persönlichem werden. Da verbietet sich einfach jeder Vergleich. Dirk Becker

Nikolaisaal, Fr 18.4., 20 Uhr,

12-26 €

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