LIEDERMACHERKonstantin Wecker & Hannes Wader : Wie uns die Alten singen

Die Zeit scheint reif für ein Revival des politischen Liedermachertums: Die Lage der Welt hat sich nicht wirklich zum Besseren geändert. Die Notwendigkeit, Einspruch zu erheben, besteht wie eh und je. Zudem tritt endlich eine jüngere Generation in die Fußstapfen der Altvorderen, ersetzt moralgeschwängertes Sendungsbewusstsein durch wissende Coolness, ohne darüber an argumentativer Schärfe einzubüßen: Gisbert zu Knyphausen ist der strahlende Ritter dieser neuen Liedermacher.

Doch noch sind die Alten nicht abgetreten. Wer etwa im letzten Herbst das grandiose Konzert vonKonstantin Wecker (Foto, links) in der Philharmonie besuchte, erlebte nicht nur einen begnadeten Entertainer auf der späten Höhe seiner Kunst, sondern auch einen sanften Agitator, der mit seine messerscharf formulierten Ansichten nicht hinterm Berg hielt. Wenn er nun mit Hannes Wader (rechts) nach sieben Jahren wieder gemeinsam auf Tournee geht, dann ist das nicht nur das von vielen Fans ersehnte Gipfeltreffen zweier linker Ikonen, sondern auch das spielerische Kräftemessen antagonistischer Temperamente. Der sich selbst verschwendende Bajuware Wecker, bekennender Womanizer und Bonvivant, trifft auf den gebürtigen Westfalen Hannes Wader, der sich zum Asketen des hohen Nordens disziplinierte, zum plattdeutschen Dylan, zum ostfriesischen Pete Seeger, und dessen Kompromisslosigkeit ihn Jahre seiner Karriere gekostet hat. In dieser Konstellation, deren Früchte im Juli auch in einem gemeinsamen Live-Album zu begutachten sind, steckt bei aller Verbundenheit der beiden Altmeister des politischen Liedes genug Reibungspotenzial, um auch Nichteingeweihten einen spannenden Konzertabend zu garantieren.Jörg Wunder

Zitadelle, Do 10.6., 19 Uhr, ab 35 €

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