Zeitung Heute : Lieferverkehr nervt Anwohner

Der Tagesspiegel

Neukölln. Lauter Lieferverkehr unter dem Schlafzimmerfenster, lärmende Discobesucher und täglich Hunderte von Parkplatzsuchern – viele Anwohner der Gropiuspassagen fühlen sich in ihrem Wohnumfeld durch von Berlins größtes Einkaufszentrum beeinträchtigt. Mehrfach entlud sich am Dienstagabend ihr Unmut bei einer Diskussionsrunde im Gemeinschaftshaus der Hochhaussiedlung. Grund der Aufregung sind die Pläne des Centermanagements für einen fünfstöckigen Erweiterungsbau auf einem Parkplatzgelände am Imbuschweg.

Ein Großteil des Gebäudes soll von der Polizei belegt werden, die dort gerne den bisherigen Abschnitt 51 vom Zwickauer Damm und den Abschnitt 65 vom Britzer Damm zusammenlegen möchte. Die Polizei verspricht sich davon Einsparpotenziale und bessere Präsenz in der Gropiusstadt, sagte Abschnittsleiter Andreas Theodor. Einer der Gründe sei die merklich gestiegene Zahl von Delikten in dem Gebiet. Hauptsächlich geht es dabei um Ladendiebstahl.

Zwar handelt es sich bei den Bauplänen bisher nur um Absichten des Managements der Gropiuspassagen. Noch liegt kein Antrag auf Baugenehmigung vor. Doch die Anwohner haben so ihre Erfahrungen: „Seit 1994 wird hier Bauabschnitt für Bauabschnitt fast rund um die Uhr gebaut! Jetzt wollen die auch noch die Polizei hier haben, damit sie den Wachschutz einsparen können. Währenddessen sterben an der Karl-Marx-Straße und im Umland die Geschäfte“, ruft ein älterer Herr wütend.

Harald-Gerome Huth, Prokurist der HFS Immobilienfonds GmbH, die die Gropiuspassagen betreibt, hält die Klagen der Anwohner für überholt: Der Lieferverkehr läuft demnach über eine Zufahrt von der Johannisthaler Chaussee im Kellergeschoss, der Discothekeneingang wurde ins Innere der Passagen verlegt, die Wohnhäuser sind durch die Gebäude der Passagen abgeschirmt. Und was den Verkehr betrifft: „Wir haben hier schon drei Parkhäuser, und außerdem schaffen wir Arbeitsplätze." Doch auch im Bezirksamt ist man offenbar noch skeptisch: Derzeit bestehen nach Auskunft aus dem Amt für Bauwesen unter anderem Bedenken, ob der nötige Abstand zu angrenzenden Wohngebäuden eingehalten werden kann. Mit einer Entscheidung rechnet der Vorsitzende des Hochbauausschusses, Peter Scharmberg (SPD), in diesem Jahr nicht mehr. ole

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